Als eine überraschende Wende bezeichnen Mitarbeiter des US-Agrarministeriums (USDA) die Entwicklung in Neuseeland. Das USDA-Büro in Wellington geht jetzt davon aus, dass die neuseeländische Milcherzeugung 2017 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 3 Prozent auf 21,9 Mio. t ansteigen wird. Diese Menge wäre noch größer als das Rekordergebnis 2014. Im Oktober 2016 – also vor einem halben Jahr – hatten die Marktexperten im USDA-Büro für 2017 noch einen Rückgang der neuseeländischen Milcherzeugung um 2 Prozent prognostiziert.

Saison beginnt später
Neuseeland beliefert den Weltmarkt im Vergleich zu den großen Wettbewerbern USA und EU antizyklisch. Die Saison fängt später an und der Höhepunkt der Milcherzeugung fällt in unsere Wintermonate. Dem trägt auch das neuseeländische Milchwirtschaftsjahr Rechnung, das von Juni bis Mai reicht. (db)
Als Gründe für die Trendwende nennen die USDA-Mitarbeiter höher als bisher erwartete Kuhzahlen und einen guten Zustand der Weideflächen. Außerdem sind die neuseeländischen Farmer durch hohe Milchpreise verwöhnt. Sie erzielen in der aktuellen Saison 2016/17 (Juni/Mai) 50 Prozent mehr als 2015/16.

Dass die Milcherzeugung weniger stark eingeschränkt worden ist als bislang vermutet, hat auch im März schon die neuseeländische Molkerei Fonterra festgestellt. Die Zahlen sind allerdings nicht mit den USDA-Einschätzungen vergleichbar, weil Fonterra Wirtschaftsjahre analysiert und das USDA Kalenderjahre (siehe Kasten).

Exporte werden steigen

Für den Weltmarkt kündigt sich Angebotsdruck an. Das USDA-Büro geht jetzt davon aus, dass Neuseeland die Exporte 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent steigern kann und nicht wie bisher erwartet um 1,3 Prozent einschränken wird. Da die Exporte jedoch voraussichtlich nicht in gleichem Maße wie die Erzeugung zulegen, sind in Neuseeland höhere Endbestände bei den Milchprodukten absehbar. (db)
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