Erdöl

Opec gibt den Bären Futter

An den Börsen hatte im Vorfeld der Tagung Nervosität geherrscht. In dieser Woche hat die Sorte Brent eine Achterbahnfahrt mit Notierungen zwischen 45,50 und 42,50 US-$ je Barrel (bl) vollführt und dabei auch kurzfristig das Fünf-Jahres-Tief (43,04 US-$/bl) vom 26. August 2015 unterschritten. Davor war Rohöl zuletzt vor gut sieben Jahren so billig, im Juni 2014 war der Ölpreis noch doppelt so hoch wie heute.

In Wien diskutieren heute die Opec-Mitglieder darüber, wie die Preise wieder angehoben werden könnten. Doch eine Drosselung der Produktion halten Beobachter für unwahrscheinlich, auch wenn Saudi-Arabien dieses Instrument in dieser Woche ins Spiel gebracht hatte. Den Vorschlag die Förderquoten zu kürzen, hatten die Saudis an die Bedingung geknüpft, dass auch andere Nicht-Opec-Länder wie etwa Russland ihre Produktion beschränken. Alle großen Förderländer mit ins Boot zu holen, halten Experten jedoch für ein aussichtsloses Unterfangen.


Die Hoffnung der Opec richtet sich deshalb auf die mittelfristige Entwicklung. Erwartet wird, dass die relativ teure US-Produktion bei den aktuellen Preisen früher oder später aus wirtschaftlichen Gründen heruntergefahren werden muss. Bisher zeigt sich die Ölwirtschaaft in den USA aber erstaunlich robust. Hinzu kommt, dass sich die US-Rohölbestände auf einem historisch hohen Niveau befinden. Kurzfristig sind deshalb sogar weitere Kursverluste für Rohöl möglich, vor allem dann, wenn nach dem Ende des Embargos der Iran im Januar wieder als großer Exporteur auf den Weltmarkt zurückkehrt. Erst mittelfristig könnten das Angebot fallen, wenn wegen der niedrigen Preise weniger in die Erschließung teurer Ölfelder investiert wird. So hatte Shell Ende September bekannt gegeben, die Ölsuche in Alaska wegen der hohen Kosten zu stoppen.

An deutlich steigenden Preisen haben nicht einmal die Opec-Länder Interesse. Denn dann würde wieder das Fracking-Öl aus der USA seine Wettbewerbsfähigkeit und Marktanteile zurückgewinnen. Die Niedrigpreispolitik sichert Saudi-Arabien seine Vormachtstellung auf dem Weltmarkt. Sie reißt aber auch – wie in den meisten anderen Opec-Ländern – tiefe Löcher in den Staatshaushalt. Allerdings verfügt das Land über gewaltige Devisenreserven von 500 bis 600 Mrd. US-$, die zumindest einige Jahre ausreichen würden, um die Etat-Defizite auszugleichen. Aus der Sicht von Marktanalysten bleibt den Opec-Staaten nichts anderes übrig, als weiter zu fördern, bis die teurere Konkurrenz das Handtuch wirft. Wann das angebots- und preiswirksam wird, vermag heute niemand vorherzusagen.

Die Internationale Energie Agentur (IEA) rechnet mittelfristig nicht mit großen Preissprüngen. Bis 2020 könnte der Ölpreis auf 80 US-$/bl ansteigen, schätzt die Organisation in ihrem aktuellen World Energy Outlook. Der kurze Investitionszyklus für Tight-Oil aus den USA und seine Fähigkeit, schnell auf Preissignale zu reagieren, verändere die Art wie Ölmarkte arbeiten, stellt die IEA fest. Kurzfristig werde die US-Produktion ins Wanken geraten, bei steigenden Preisen würde sie aber ihren Aufwärtstrend fortsetzen.

Vom niedrigen Ölpreis profitieren auch Verbraucher und Industrie in Deutschland. Der Heizölpreis ist im bundesdeutschen Durchschnitt heute auf 51 Cent/l und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2009 gefallen. Trotz Euroschwäche haben die Heizölpreise damit innerhalb eines Monats um 13 Prozent nachgegeben. Auch Diesel und Benzin sind aktuell so billig wie schon lange nicht mehr. In Hamburg fiel der Dieselpreis kurzzeitig erstmals seit Jahren auf unter 1,00 €/l. (SB)
stats