Nur noch 10,2 Millionen Schweine hat die Statistikbehörde in Warschau zum Zähltermin im Juni 2016 ermittelt. Im Vergleich zum gleichen Monat im Vorjahr beträgt der Rückgang 12 Prozent, teilte die Behörde kürzlich mit. Im Vergleich zur Zählung im März dieses Jahres ist die Zahl zwar stabilisiert, aber der langjährige Vergleich zeigt, wie rapide der Bestandsabbau und wie niedrig das Niveau ist: Im Sommer 2007 standen noch etwa 18 Millionen Schweine in den Ställen.

Da nicht nur die Mast, sondern auch die Zuchtschweinehaltung stark verringert worden ist, stehen den polnischen Mästern nicht ausreichend Ferkel aus inländischer Erzeugung zur Verfügung. Importe von Ferkeln und Jungschweinen schaffen Ausgleich. Das Statistikamt registriert von Januar bis Juni 2016 Importe von 2,4 Millionen Schweinen in der Kategorie unter 50 kg Lebendgewicht. Die Zahl hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent zugenommen.

Schweinepest bringt Landwirte auf die Straße

Als Gründe für den Abbau der Schweinebestände bis Juni 2016 nennt das Statistikamt in Warschau die niedrigen Auszahlungspreise. Außerdem grassiert nach wie vor im Nordosten Polens die Afrikanische Schweinepest. Das Agrarministerium in Warschau verspricht, alles zu tun, um das Krankheitsgeschehen einzudämmen und betroffenen Schweinehaltern zu helfen. Die EU-Kommission hat auf dem Agrarrat Anfang der Woche in Luxemburg Unterstützung signalisiert. Polnische Landwirte sind allerdings völlig unzufrieden. Sie haben zu Wochenbeginn im am stärksten betroffenen Gebiet nahe der weißrussischen Grenze demonstriert, berichtet das Internetportal farmer.pl.

„Wir möchten produzieren, nicht bankrott gehen“, hieß es auf den Plakaten der Demonstranten. Sie beklagen, dass die Hilfsmaßnahmen der Regierung nicht bei allen Schweinehaltern in der Region ankommen. Außerdem fordern sie mehr Maßnahmen gegen Wildschweine, die nicht nur die Afrikanische Schweinepest übertragen können, sondern auch die frisch gesäten Getreide- und Rapsfelder umpflügen. Landwirte argwöhnen, dass zu wenig gegen die Wildschweine getan wird, weil wohlbetuchte Freizeitjäger den hohen Wildbestand schätzen. Der Nordosten Polens gilt als attraktives Ziel für den Jagdtourismus. (db)
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