Commerzbank-Prognose

Preisanstieg in Trippelschritten


Hohe Weizenernten bestimmen die Vermarktung. Jetzt richtet sich der Blick nach vorn.
-- , Foto: birgitH/pixelio
Hohe Weizenernten bestimmen die Vermarktung. Jetzt richtet sich der Blick nach vorn.

Die Commerzbank rechnet vorerst mit gedrückten Preisen für Weizen und Raps. In ihrer am Montag veröffentlichten Prognose bis Ende 2017 bewegen sich die Weizenkurse nur in Trippelschritten nach oben. Das aktuelle Niveau von 180 €/t an der Matif dürfte noch bis zum 2. Quartal 2016 bestehen bleiben. Bis Ende 2016 könnte der Weizen dann bei 190 €/t stehen. Erst im 4. Quartal 2017 wäre wieder die Marke von 200 €/t erreicht. Kaum besser sind die Perspektiven für Raps: Hier rechnet die Commerzbank mit einem Matif-Kurs im 1. Quartal 2016 von nur 375 €/t. Er könnte dann bis Ende 2016 auf 390 €/t und bis Ende 2017 auf 410 €/t ansteigen.

Weizenüberschüsse drücken

Zur Begründung des vor sich hin dümpelnden Weizenpreises nennt die Commerzbank die Überschüsse am Weltweizenmarkt. Jetzt zählt für die Weltmarktversorgung 2015/16 nur noch die australische Weizenernte, die gerade eingebracht wird. Doch selbst wenn sie so enttäuschend wie die schwache Vorjahresmenge ausfallen wird – großen Einfluss auf die globale Versorgung nimmt dies nach der Beurteilung der Commerzbank nicht mehr.

Sehr unsicherer Ausblick

Völlig unsicher ist der Blick auf die Ernten 2016/17. Offizielle Flächendaten liegen noch nicht vor. Der Internationale Getreiderat IGC rechnet mit einer unveränderten globalen Gesamtweizenfläche. In der EU ist die Herbstbestellung in den wichtigen Weizen produzierenden Ländern unproblematisch verlaufen. Aus der Schwarzmeerregion berichtet die Commerzbank allerdings von besorgten Stimmen (siehe Kasten).
Einflussfaktor Ukraine
In der Ukraine sind im Herbst wegen der Trockenheit mindestens 10 Prozent der geplanten Winterweizenflächen nicht bestellt worden. Außerdem soll der Zustand der gesäten Bestände deutlich schlechter als im Vorjahr sein. Die Rapsfläche ist nach Branchenbeobachtungen fast 30 Prozent kleiner als im Vorjahr, da die Trockenheit die Aussaat massiv erschwert hatte. Und die gesäten Rapspflanzen sind nach Berichten aus dem Land in einem sehr schlechten Zustand.
In Russland und der Ukraine zeichnet sich 2016 eine niedrigere Weizenernte als im Vorjahr ab, wobei die Commerzbank zu pessimistische Szenarien aber zum jetzigen Zeitpunkt für verfehlt hält. Deswegen rechnet sie vorerst auch nur mit einem allenfalls moderaten Anstieg der EU-Weizenpreise. „Der größte Risikofaktor für unsere Prognose ist ein harter und trockener Winter in wichtigen Anbauländern der Nordhalbkugel“, schränkt die Bank diesen Ausblick ein.

Raps unter Einfluss von Soja

Am Rapsmarkt macht sich nach Beobachtung der Commerzbank der Produktionseinbruch in der EU bemerkbar. Weltweit ist ein Defizit zu erwarten. Im Schach gehalten wird die Kursentwicklung jedoch vom üppig versorgten Sojamarkt. Auch bei Raps richtet sich jetzt der Blick zunehmend auf die Saison 2016/17. In der EU scheint nach den Berichten aus den Haupterzeugungsländern die Rapsfläche zu stagnieren. Spannend wie bei Weizen ist auch hier der Blick nach Osten. Dennoch macht die Commerzbank wenig Hoffnung für einen größeren Preisanstieg am Rapsmarkt, solange der Sojabohnenmarkt so überreichlich wie bisher versorgt ist. Deswegen werden die Rapspreise so bald auch nicht mehr die ‚4 vorne‘ sehen, lässt sich aus dem Szenario schließen. Doch ein harter Winter könnte auch hier die Märkte drehen. (db)
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