Analysten-Prognose

Preise haben Luft nach oben

Die Getreidemärkte haben sich in den vergangenen Monaten an die komfortable Versorgungslage gewöhnt. Die Maisnotierungen in Chicago gingen kräftig zurück, und auch die Weizenkurse in Paris ließen ordentlich Federn. Nach Einschätzung der Rohstoffanalysten der Commerzbank könnte sich das Blatt im Wirtschaftsjahr 2015/16 zumindest leicht wenden: Denn die globale Maisbilanz steuert wieder auf ein Defizit zu. Bei der Weizenversorgung ist die Zeit der Überschüsse ebenfalls vorbei.

Die US-Maisernte 2015/16 soll um 15 Mio. t gegenüber dem Vorjahr zurückgehen auf 346 Mio. t, schätzt das US-Agrarministerium USDA. Der Internationale Getreiderat IGC in London erwartet weltweit einen Produktionsrückgang um 5 Prozent beziehungsweise 49 Mio. t. Behalten die Londoner Recht, würde der Maisverbrauch das Angebot in der kommenden Saison um 20 Mio. t übersteigen. Da die globale Maisbilanz damit zum ersten Mal seit vier Jahren auf ein Defizit zusteuert, erwarten die Analysten der Commerzbank, dass die Preise ab dem zweiten Halbjahr etwas zulegen werden.

Weizenpreis steuert auf 200-Euro-Marke zu

Die Prognosen für die weltweite Weizenerzeugung 2015/16 sehen zwar derzeit gut aus, stellen die Commerzbank-Analysten weiter fest. Doch im Detail zeigt sich auch hier, dass der Trend der sehr üppigen Versorgung unterbrochen werden dürfte: So rechnet die EU-Kommission 2015 mit einem Rückgang der Weichweizenerzeugung in der Staatengemeinschaft um rund 7 Mio. t gegenüber Vorjahr auf 141 Mio. t. In den beiden wichtigsten Erzeugerländern Frankreich und Deutschland sei mit einem Produktionsrückgang trotz Ausdehnung der Anbauflächen zu rechnen, da die Rekorderträge aus dem Vorjahr nicht wiederholt werden dürften. In den USA hat sich der Ausblick auf die neue Ernte nach den jüngsten Regenfällen erholt.

Zwar bleibt das Umfeld am Weizenmarkt von Unsicherheiten behaftet. So hängt die Preisentwicklung nach Einschätzung der Commerzbank auch davon ab, ob die russische Exportsteuer plangemäß zum 30. Juni fällt und damit die Konkurrenz für EU-Weizen im globalen Weizenhandel wächst. Dennoch gehen die Commerzbank-Analysten davon aus, dass die Weizenpreise an der Matif im dritten Jahresquartal durchschnittlich 195 €/t und im vierten Quartal die 200-Euro-Marke erreichen. Aktuell wird Weizen in Paris mit knapp 184 €/t bewertet. (pio)
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