Rabobank-Analyse

Preise in Russland werden steigen


„Zunächst waren wir sehr besorgt“, sagt Justin Sherrard von der Rabobank-Zentrale in Utrecht im Gespräch mit agrarzeitung.de. „Mittlerweile betrachten wir die Situation aber differenzierter“, ergänzt er und weist zum einen darauf hin, dass nicht alle EU-Agrarprodukte von dem Importstopp betroffen sind. Er nennt als Beispiel, dass die Regierung in Moskau kein Magermilchpulver und Vollmilchpulver aus der EU mehr akzeptiert, aber Lieferungen von Instant-Milchpulver durchaus zulässt. „Die Rohstoffe gehen nicht mehr, aber die fertige Babynahrung wird akzeptiert“, verdeutlicht der Rabobank-Experte.

Ebenso wichtig sei es bei der Bewertung der ökonomischen Folgen, einen sinnvollen Vergleichszeitraum zu definieren. Sherrard erinnert daran, dass Russland bereits zu Jahresbeginn 2014 alle Schweinefleischimporte aus der EU wegen der Schweinepestfälle in Litauen und Polen gestoppt hat. Deswegen seien - sechs Monate später - die Auswirkungen des aktuellen Exportverbots nur noch gering.

In den kommenden Wochen erwartet der Rabobank-Experte, dass es bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse zu deutlicheren Marktturbulenzen kommen könnte. Hier sei in den EU-Ländern wegen des höheren Angebots Preisdruck absehbar. Dagegen könnten die Preise in Russland schnell steigen, wenn sich dort die Regale in den Supermärkten leeren.

Im Laufe der kommenden sechs Monate rechnet Sherrard jedoch damit, dass sich die Märkte weitgehend anpassen werden. Seiner Ansicht nach können die Unternehmen in der EU dann alternative Absatzkanäle finden. Dies werde umso schneller gelingen, wenn die Anbieter in ihrer Wertschöpfungskette eine starke Position einnehmen und flexibel reagieren können.

Die russischen Einkäufer wiederum werden neue Handelspartner in Brasilien, Argentinien oder Chile suchen. Allerdings dürfte es in Russland zu einer stärkeren Inflation der Nahrungsmittelpreise kommen, kann sich Sherrard vorstellen. Möglicherweise wird dann auch die Regierung in Moskau über Preiskontrollen in die Märkte eingreifen. (db)
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