Märkte am Mittag

Raps hat Potential nach oben


Die Rohstoffpreise gehen wieder zaghaft nach oben. Davon spürt man auf den Agrarmärkten allerdings noch relativ wenig. Dies erklärte der Handels- und Börsenmakler Robert Theis von der Jürgen Kiefer GmbH anlässlich der Generalversammlung der Produktenbörse Würzburg unter anderem mit den hohen globalen Getreidebeständen. Vier große Ernten in Folge wirken sich dämpfend aus. Dabei sei es bemerkenswert, dass etwa 46 Prozent der weltweiten Getreidebestände in China lagern. Diese Ware wird aus strategischen Gründen und wegen der Ernährungssicherheit das Reich der Mitte nie verlassen. Dies müsse bei einer Betrachtung der Weltendbestände berücksichtigt werden, so der Marktexperte. Die USA haben mit etwa einer halben Ernte ebenfalls noch große Mengen auf Lager. Und schon treffe wieder eine gute Weizenernte auf reichliche Vorräte.

Markttendenz
Neue Meldungen zur Bestandsentwicklung in Frankreich sorgen für festere Weizennotierungen. Die Qualitätsfrage wird immer wichtiger.
In der EU seien die Bestände stärker abgebaut. „Wir haben die niedrigsten Weizenendbestände aller bedeutenden Exporteure", so Theis. Auch in der Schwarzmeerregion sieht der Makler eher begrenzte Vorräte, aber die aktuelle Ernte sei reichlich. „Die Schwarzmeerregion wird in der ersten Hälfte des Getreidewirtschaftsjahres das Exportgeschäft an sich reißen", prognostiziert Theis. Das werde die EU zu spüren bekommen.

Die Verhältnisse in Indien sind für ihn schwer einzuschätzen. Während der Subkontinent in den vergangenen Jahren immer wieder als Exporteur auftrat, werde er in diesem Jahr vermutlich Weizen importieren. Das größte preisliche Aufwärtspotential sieht der Agrarkaufmann beim Raps. Hier sei weltweit eine nennenswerte Knappheit zu erkennen. Schon deshalb könnten hier die Notierungen zulegen. Dies sei freilich auch immer im Zusammenhang mit den Schlaglöhnen der Ölmühlen zu sehen. „Kauft Raps", rief der den Börsenbesuchern zu. Weltweit stehen die Schiffsfrachten unter einem erheblichen Druck. Dies sei eine Folge der hohen Investitionen während der vergangenen Jahre. Durch den ruhigen Welthandel und das Überangeboten am Frachtenmarkt habe sich der Wettbewerb dramatisch verschärft.

Heftige Kritik übte Theis an der aktuellen Finanz- und Währungspolitik. Die Notenbanken ließen die marktwirtschaftlichen Kräfte nicht mehr zur Wirkung kommen. Der US-Dollar sei nicht gestiegen, sondern die Währungen in den Schwellenländern seien gefallen. Er sieht in den kommenden Jahren erhebliche Probleme auf die Schwellenländer zukommen. „Die globale Verschuldung steigt; die Rückzahlung ist unwahrscheinlich", so sein Credo. Als bedenklich sieht Theis zudem die Verhältnisse in der EU an. Die Währungsunion mutiert zu einer Inflationsgemeinschaft. Dies ist nicht gut für Europa und schade auch der Agrarwirtschaft.

An der Matif kann Weizen den dritten Hanelstag in Folge zulegen. Bis zum frühen Nachmittag gewinnt der Dezember-Future 2,25 €/t und notiert bei 165,50 €/t. November-Raps steigt um 2,50 €/t auf 358,25 €/t. Leichte Gewinne verbucht auch der November-Mais auf 165,50 €7t. (HH)
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