Weizenvermarktung

Russland dominiert den Weltmarkt


Minimale Steuer
Die Exportsteuer für russischen Weizen war 2014 eingeführt worden, um den Preisauftrieb im Inland bremsen. Die Regierung fürchtete, dass der Kursverfall des Rubels zwar die russischen Weizenexporte beflügelt, dieser Weizen jedoch im Inland fehlen kann und dadurch der Inlandspreis steigt. Die variable Exportsteuer hat sowohl Preise als auch Währungsrelationen berücksichtigt. Zurzeit kommt jedoch nur der geringe Mindestzoll von 10 Rubel/t zum Ansatz – entsprechend einer minimalen Abgabe von 0,14 €/t oder 0,15 US-$/t. (db)
In gut einer Woche sollen die russischen Exportsteuern für Weizen vorerst der Vergangenheit angehören. Die Regierung in Moskau wird nach Angaben der Nachrichtenagenturen in Kürze ein Dekret verabschieden, nach dem die Abgaben auf Exporte vom 15. September 2016 bis Juli 2018 ausgesetzt sind.

Russlands Agrarministerium stellt in Aussicht, dass ohne diese Abgaben die russischen Weizenexporte auf jährlich 30 Mio. t steigen könnten. Tatsächlich ist dies die Menge, die nach Schätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) Russland bereits in der Saison 2016/17 exportieren wird. Im Vorjahr waren es gut 25 Mio. t gewesen – eine ebenfalls für russische Verhältnisse riesige Menge.

Russischer Weizen extrem günstig

Die Rabobank hatte vor wenigen Tagen sogar geschätzt, dass Russland in dieser Saison 32 Mio. t Weizen exportieren wird. Damit wäre jede Lücke zu schließen, die wegen fehlender Weizenexporte aus der EU auftauchen könnte. Russischer Weizen ist nach der Beobachtung der Rabobank ohnehin extrem wettbewerbsfähig. Er wird um 25 US-$/t günstiger als vergleichbare US-Qualität fob Golf angeboten, stellt die Bank fest.

Umfassende Daten zur Ernte

Weizen gibt es vorerst mehr als genug.
-- , Foto: Claas
Weizen gibt es vorerst mehr als genug.
In dieser Woche sind auch noch keine neuen Nachrichten zu erwarten, die der Marktentwicklung neue Impulse geben könnten. Am heutigen Montag ist ohnehin Feiertag in den USA. Nächste Woche kommen die handfesten Informationen dann aber Schlag auf Schlag. Gleich zu Wochenbeginn veröffentlicht das US-Agrarministerium (USDA) seinen September-Wasde-Report. Am Dienstag folgt das australische Agrarministerium mit einer ersten Ernteschätzung für den Drusch, der dort ab Ende November ansteht.

Aus Frankreich sind nächste Woche ebenfalls konkretere Daten zu Erntemengen und vor allem den Weizenqualitäten zu erwarten. Das Gleiche gilt für die deutsche Ernte, zu der am Donnerstag in Detmold die konkreten Analyseergebnisse vorliegen. Das bedeutet, dass ab nächster Woche sich Vermarktungsstrategien auf wesentlich sicherere Marktdaten begründen lassen. (db)
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