Ernteschätzung

Russland erwartet kleinere Ernte

Auf weniger als 100 Mio. t schätzt das Agrarministerium in Moskau jetzt die Getreideernte 2017. Bislang reichten die russischen Erwartungen noch bis zu 105 Mio. t. Noch optimistischer liegen bislang die internationalen Beobachter des US-Agrarministeriums (USDA) mit 110 Mio. t sowie des Internationalen Getreiderates (IGC) mit 108 Mio. t.

Technik fehlt
Die russische Rekordernte 2016 hätte noch um 10 Mio. t höher sein können, wären ausreichend Mähdrescher verfügbar gewesen, hat kürzlich das Agrarministerium in Moskau analysiert. Nach Angaben von Agrarminister Alexander Tkatschjow fehlen für die gut 50 Mio. ha Mähdruschfläche in Russland 80.000 Mähdrescher. Zum Vergleich: In Deutschland stehen für knapp 8 Mio. ha Mähdruschfläche etwa 60.000 Mähdrescher zur Verfügung. (db)
Für die pessimistischere Einschätzung in Russland nennt das Ministerium nach Berichten der Moskauer Analysten von APK-Inform mehrere Gründe. Der Winter war zwar generell in Russland nicht extrem hart, doch gab es in den wichtigen südrussischen Getreideanbaugebieten – vor allem in den Regionen Krasnodar und Stawropol – Frostschäden an Winterweizen, zum Teil auch durch Spätfröste Ende April/Anfang Mai. Dort war es im März zudem zu trocken. Darüber hinaus erwarten die Beobachter im Moskauer Ministerium eine spätere Erntekampagne, die erfahrungsgemäß mit Ertragseinbußen verbunden sein kann. Schließlich sind Mähdrescher in Russland knapp (siehe Kasten).

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Eine Getreideernte um die 100 Mio. t wäre aber für russische Verhältnisse ein durchaus ansehnliches Ergebnis. Es läge immer noch um 12 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt. Allerdings fallen in diesen Zeitraum mehrere sehr niedrige Ernten. Vor allem 2010 und 2012 hatte Trockenheit die Ergebnisse weit nach unten gedrückt. (db)
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