Wetterkapriolen

Russland nass, Ukraine trocken

Blick der Meteorologen
Die Wachstumsbedingungen in Russland und der Ukraine nehmen die Agrarmeteorologen der EU-Kommission regelmäßig in ihrem monatlichen MARS-Bericht in den Blick. Die Brüsseler Fachleute leiten daraus auch konkrete Ertragsschätzungen ab. Eine wöchentliche Beschreibung der Wetterdaten mit den Auswirkungen auf die Feldkulturen bietet darüber hinaus das US-Agrarministerium (USDA) in seiner Meteorologie-Abteilung. Diese Beurteilungen fließen in die monatlichen USDA-Schätzungen der Weltgetreideernte ein. (db)
In Russland geht der EU-Prognosedienst MARS von recht hohen Getreideerträgen aus. Zu Wochenbeginn haben die Brüsseler Fachleute in ihrem Überblick zum Wetter und der Pflanzenentwicklung in Europa insbesondere den russischen Winterkulturen ein hohes Potenzial bescheinigt. Allerdings werden die Erträge wohl nicht ganz so hoch wie im Rekordjahr 2016 ausfallen.

Dauerregen zerrt an den Nerven

Jubelstimmung macht sich aber in Russland  nicht so recht breit, weil es keineswegs als sicher erscheint, dass die Erträge auch in vollem Umfang eingebracht werden können. Denn die Landwirte sehnen im Süden Russlands trockenes Wetter herbei, damit der Weizen endlich abreifen kann. Seit Mai fällt dort Dauerregen, lokal kommt es wiederholt zu Starkregen. Die Böden sind gut wassergesättigt und zum Teil regelrecht durchweicht. Deswegen haben die Agrarmeteorologen vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA) am Dienstag in ihrem Wochenbericht  vor möglichen Qualitätseinbußen bei Weizen gewarnt.

Ernte verzögert sich in Russland um zwei Wochen

Auch das Agrarministerium in Moskau dokumentiert in seinen Ernteberichten die besondere Situation. Zu Wochenbeginn teilte es mit, dass sich der Drusch in Russland wegen des instabilen Wetters wohl um zwei Wochen verzögern wird. Bis zum Montag sind in den frühen Regionen nach offiziellen Angaben gerade 30.000 ha abgeerntet worden – im Vergleich zu mehr als 250.000 ha zum gleichen Zeitpunkt 2016. Die bisherigen Erträge liegen unter dem Vorjahr, und es ist sehr wahrscheinlich, dass dies so bleiben wird, zumal moderne Mähdrescher in Russland Mangelware sind.

Dürre im Zentrum der Ukraine

Konträr ist die Situation im Zentrum der Ukraine. Dort sind seit Mai zum Teil weniger als 50 Prozent der normalen Niederschlagsmengen gefallen. Von einer Dürre sprechen mittlerweile die Brüsseler Fachleute von MARS. Die USDA-Kollegen berichten von massivem Trockenstress bei Getreide sowie Mais und Sojabohnen. Besser sieht es dagegen in den ukrainischen Grenzgebieten zu Russland, Weißrussland und direkt an der Schwarzmeerküste aus. Dort ist wesentlich mehr Regen gefallen, der gute bis exzellente Bedingungen für die Winter- und Sommerkulturen geschaffen hat.

Einbußen lassen sich noch nicht sicher abschätzen

Bislang geht das agrarmeteorologische Institut in Kiew davon aus, dass in der Ukraine 10 Prozent der Wintergetreideflächen ganz abgeschrieben werden müssen. Die Brüsseler Kollegen von MARS glauben, dass 20 Prozent der gesamten Weizenfläche von erheblichem Trockenstress betroffen sind. Offizielle Ernteschätzungen liegen aus der Ukraine noch nicht vor. Der Drusch hat im Süden des Landes gerade begonnen. (db)
stats