Getreidehandel

Saudis wollen weg von der Gerste

Bislang ist Saudi-Arabien eine sichere Bank im internationalen Gerstenhandel. Jährliche Importe von mehr als 10 Mio. t werden aber bald Vergangenheit sein, analysiert das Büro des US-Agrarministeriums (USDA) in Riad. Die dortigen Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Saudis bereits in der nächsten Saison 2017/18 nur noch 7,6 Mio. t Gerste am Weltmarkt kaufen werden – das wäre ein Drittel weniger als die Rekordmenge vor zwei Jahren.

Mischfutter gefragt
Die Futtergrundlage in Saudi-Arabien wandelt sich zurzeit fundamental. Bislang ist überwiegend Gerste an Kamele, Ziegen, Schafe und Rinder verfüttert worden. Die Futterverwertung ist bei reiner Gerste jedoch ungünstig. Deswegen fördert die Regierung in Riad die Verwendung von energiereicherem Mischfutter. Es kommt auch zunehmend in der Milchviehhaltung und der Hähnchenmast zum Einsatz, die sich ebenfalls schnell entwickeln. (db)
Die Importe in der laufenden Saison sind noch nicht klar. Bislang rechnete das USDA 2016/17 mit Importen von 11,0 Mio. t – das USDA-Büro in der saudischen Hauptstadt kann sich jedoch auch jetzt schon einen Rückgang auf 8,0 Mio. t vorstellen. Welche Mengen es auch immer werden, ein Rückgang ist strukturell absehbar (siehe Kasten). Gerstenexporte aus Deutschland sind unmittelbar betroffen. Die Ukraine und Russland sind zwar die wichtigsten Lieferanten, aber deutsche Gerste hatte in Saudi-Arabien zuletzt einen Marktanteil von 7 Prozent.

Deutscher Weizen für Pitas

Aufnahmefähig ist im Gegenzug der Weizenmarkt. Brotweizen ist zunehmend gefragt. Im Land wächst kaum Weizen, aber die relativ kaufkräftige Bevölkerung und die zunehmende Zahl von Muslimen, die nach Mekka pilgern, lassen die Nachfrage steigen. In dieser Saison könnten es 3,5 Mio. t sein, für 2017/18 prognostiziert das USDA-Büro einen Anstieg auf 3,7 Mio. t. In saudischen Backstuben ist proteinreicher Weizen zur Herstellung der traditionellen Pitas oder des nach westlichem Stil gebackenen Weißbrotes gefragt. Deutschland, Polen und Litauen sind die wichtigsten Lieferländer.

Höhere Importe von Futtergetreide

Künftig ist jedoch auch mehr importierter Futterweizen gefragt, der in der sich schnell entwickelnden Mischfutterindustrie zum Einsatz kommt. Hier können sich die Ukraine oder Australien Chancen ausrechnen, die bislang weniger Weizen nach Saudi-Arabien geliefert haben. Deutlich Fahrt aufnehmen könnten überdies die saudischen Maisimporte. Das USDA-Büro macht vor allem den US-Anbietern Hoffnungen, von dieser zusätzlichen Nachfrage profitieren zu können. (db)
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