Märkte am Mittag

Sommergerste ist der Gewinner


Erntepressegespräch in Pfiffelbach Martin Gerlach, Birigt Keller und Lars Fliege (v.l.n.r)
-- , Foto: da
Erntepressegespräch in Pfiffelbach Martin Gerlach, Birigt Keller und Lars Fliege (v.l.n.r)

Eine Achterbahnfahrt haben Landwirte in Thüringen nach der Ernte 2017 hinter sich. „Landwirte in Thüringen mussten zusehen, wie aus dem überreifen Weizen die Körner herausgefallen sind“, sagte Lars Fliege vom Thüringer Bauernverband (TBV), heute bei der Erntekonferenz auf seinem Betrieb in Pfiffelbach. Das reife Getreide habe sehr unter den vielen Niederschlägen zum Erntebeginn gelitten. Agrarministerin Birgit Keller (Die Linke) unterstrich die große Spreizung der Erträge innerhalb des Freistaates. Bei Weizen liegen sie zwischen 2,9 bis 11,2 t/ha, bei der Wintergerste waren es 2,9 bis 9 t/ha. Weizen ist zuerst gedroschen worden, beschreibt Fliege den Ablauf. Roggen und Raps fielen hintenan. Man konnte nicht einmal zwei Tage hintereinander ernten, immer wieder regnete es. Die Kapazität der Mähdrescher reichte selbst auf den großen Betrieben in manchen Wochen nicht aus.

Rohproteingehalt stimmt

Sommergerste ist der Gewinner der diesjährigen Ernte in Thüringen. 95 Prozent der angelieferten Ware an die Mälzereien stimmte im Ertrag von bis zu 7,5 t/ha und in der Qualität. Die gewünschten 11,5 Prozent Rohproteingehalt konnten geliefert werden. Der Rapsertrag lag mit minus 20 Prozent deutlich unter dem Vorjahr.

Deutliches Ost-West-Gefälle bei Roggen

Bei Weizen hatte die Qualität schon nach den ersten Starkregenereignisse Mitte Juli gelitten. Dann wurden die überreifen Bestände nass. Innerlich hätten die Körner wieder gekeimt, entsprechend sind die Fallzahlen unter 100 sek. gesunken. Die ersten Partien vor dem Regen brachten noch 300 sek. Brotroggenqualitäten sind in Thüringen gesucht. Insgesamt lässt sich im Freistaat ein deutliches Ost-West-Gefälle beobachten. Der Osten liegt im Ertrag und Qualität besser als der Westen des Landes. 

Durch die vielen Starkregenereignisse sei die Befahrbarkeit der Flächen sehr eingeschränkt gewesen. Zum Einsatz kamen vornehmlich Mähdrescher mit Ketten. "Auf Reifen ging", so Fliege, "gar nichts mehr." Nun sei eine tiefe Bodenbearbeitung notwendig, um die Verdichtungen wieder zu lösen. „Bis die Flächen wieder intakt sind, wird es Jahre dauern“, so der Vizepräsident des TBV. Die Preise an der Pariser Börse seien um 20 Prozent im Vergleich zum Erntebeginn gefallen, so Fliege. Der Dezemberkontrakt gibt zum Wochenbeginn um 0,50 auf 160,00 €/t nach. Der Rapskurs verlässt die Marke von 370 €/t und notiert zur Mittagsstunde bei 369,75 €/t. Die US-Börsen sind heute am Labor Day geschlossen. (da)
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