Schätzung

Sorgen um nordische Getreideernte

Insgesamt soll die Getreideernte 2017 in der EU 297 Mio. t betragen und damit 0,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahres liegen. Damit erholt sich nach Einschätzung des Dachverbandes die Produktion 2017 trotz der extremen Witterungsereignisse. Im Hinblick auf die Qualität der Kulturen bestehe jedoch noch Bedenken, teilte Copa-Cogeca, der Dachverbands der EU-Landwirte- und -Genossenschaften, mit.

Die Schätzung im Detail

Während beim Weizen insgesamt ein Produktionszuwachs von 3,5 Prozent erwartet wird, soll es Rückgänge bei Gerste (minus 4,6 Prozent) und Mais (minus 0,5 Prozent) geben. Bei den Ölsaaten geht die Interessenvertretung von einem 2-prozentigen-Plus auf 32,4 Mio. t gegenüber dem Vorjahr aus.

Dabei wird für Raps ein Produktionsanstieg um 3,6 Prozent auf 21,3 Mio. t prognostiziert. Für Soja geht Copa-Cogeca trotz einer Flächenausweitung um 5 Prozent, aber wegen widriger Wetterbedingungen, von einer Erzeugung auf Vorjahresniveau aus.

Qualtitätsbedenken im Norden

Viele Länder sind in diesem Jahr von extremen Witterungsereignissen heimgesucht worden, von Frost bis hin zu Dürren: Während es in Spanien und Portugal mehrere Monate lang nicht geregnet hat, litten Irland und das Baltikum unter heftigen Niederschlägen und Überflutungen. "Diese unterschiedlichen Bedingungen werden Auswirkungen auf die Qualität der EU-Produktion haben", erklärte Max Schulman, Vorsitzender der Copa-Cogeca-Arbeitsgruppe Getreide. Besonders große Qualitätsbedenken gebe es in den nördlichen Ländern wie etwa in Finnland und Schweden, da dort die Ernte aufgrund starker Regenfälle immer noch nicht abgeschlossen sei. Schwierigkeiten wegen Dürre und Feuchte gab es laut dem Vorsitzenden der Copa-Cogeca-Arbeitsgruppe Ölsaaten, Arnaud Rousseau, auch bei der Aussaat von Raps für die kommende Saison 2017/18.

Den Flächenanstieg bei Raps um 2,2 Prozent in der Saison 2016/17 führt Rousseau auf die "momentan" wenig lukrativen Aussichten in der Getreideerzeugung und damit auf die niedrigen Preise bei gleichzeitig hohen Produktionskosten zurück. "Zusätzlich zur Herausforderung des Klimawandels sind die Erzeuger außerdem hinsichtlich des Wegfalls vieler Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat und des Verbots von Pflanzenschutzmitteln sowie Düngern auf ökologischen Vorrangflächen besorgt. Diese Maßnahmen werden eine verstärkte Umstellung auf Brachflächen in der nächsten Saison zur Folge haben", warnte Schulman. (mrs)
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