Mittagsmarkt

Spekulation führt am Ziel vorbei


An den süddeutschen Brotgetreidemärkten gibt es noch keine untere Widerstandslinie. Vielmehr geben die internationalen Terminbörsen nun eindeutig den Trend vor.

Gegen 12 Uhr notiert Mahlweizen an der Pariser Matif zum Frontmonat Mai 2013 bei 233,75 €/t und damit 1 €/t schwächer als am Freitag. Der Raps-Future in Paris lässt deutlicher Federn: Er wird um die Mittagszeit mit 460,25 €/t bewertet und ist damit 2,25 €/t leichter als am Freitag. In Chicago stehen Sojabohne, Weizen und Mais in den roten Zahlen.

Kaum noch Prämien für Qualitätsweizen

Dabei kommt es am physischen Markt nur zu sehr geringen Umsätzen. Qualitätsweizen wird von den Verarbeitern begrenzt nachgefragt. Es fällt den Verkäufern zunehmend schwerer, die entsprechenden Prämien durchzusetzen. Zuweilen werden keine Aufschläge mehr bewilligt. Für A-Weizen mit 13 Prozent Protein und 250 Fallzahl lassen sich franko süddeutscher Mühle gerade einmal knapp 250 €/t erzielen. Im Großraum Würzburg sind es kaum 240 €/t. E-Weizen ist in der Gunst der Käufer weitgehend vernachlässigt. 

Das Weizenangebot hat unterdessen zuletzt auch aus der Landwirtschaft spürbar zugenommen. Es sind vor allem  bessere Qualitäten, die nun offeriert werden. Trotz fallender Kurse halten sich die Verarbeiter mit Engagements zurück. Die Enttäuschung bei den Landwirten nimmt deshalb zu. Sie haben auf weiter steigende Erlöse spekuliert und ihre Ware zurückgehalten. Diese Strategie ist derzeit offenbar nicht aufgegangen. Vereinzelt keimt die Hoffnung, dass Mischfutterhersteller, vor allem aber die Mühlen, im April und Mai noch ihren Anschlussbedarf decken müssen. Ob und vor allem in welchem Umfang dies geschieht, ist derzeit allerdings nur schwer einzuschätzen. Fest steht lediglich, dass noch Weizen für die Verarbeiter benötigt wird.

Geteilte Meinung zu neuer Ernte

Mancher Landwirt rechnet noch unmittelbar vor der Ernte 2013 mit einem Nachfragesog und steigenden Notierungen. Im Handel ist die Meinung geteilt. Über die neue Ernte wird zwar gesprochen, doch gibt es aktuell keine größeren Umsätze. Die Kulturen sind bislang gut über den Winter gekommen, sodass mit einer befriedigenden Ernte gerechnet wird. Marktbeobachter erwarten 2013 für ganz Deutschland eine Weizenernte von 23,3 Mio t; im Vorjahr waren es 21,4 Mio. t. (HH) 
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