Schweinevermarktung

Tönnies senkt die Eberpreise

Tönnies passt zum 10. Juli die Abrechnungsmaske für Jungeber an. Der Fleischkonzern reagiert damit auf das in den letzten Monaten stark gestiegene Angebot unkastrierter männlicher Schweine. Die Änderung der Bewertung der Jungeber im Einkauf werde letztendlich zu sinkenden Auszahlungspreisen für die Landwirte führen, bestätigt Unternehmenssprecher André Vielstädte gegenüber agrarzeitung.de.

Stichtag 1. Januar 2019
In 18 Monaten ist die betäubungslose Kastration von Ferkeln in Deutschland verboten. Landwirte müssen sich dann für eine der drei Alternativen entscheiden:

• Jungebermast
• Immunokastration
• Chirurgische Ferkelkastration unter Betäubung

Als vierten Weg fordern Vertreter der Schweinehalter, die Kastration unter Lokalanästhesie zuzulassen.

Wenige Abnehmer für Jungeber

Landwirte haben nur wenige Vermarktungsmöglichkeiten für Jungeber. Neben Tönnies schlachten vor allem die Konzerne Vion und Westfleisch die unkastrierten Tiere in größerem Umfang. Andere meist kleinere Schlachtunternehmen sind nach ersten Versuchen wieder aus der Eberschlachtung ausgestiegen. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wirft Tönnies deswegen vor, seine Marktdominanz auszunutzen, die bei den Ebern noch größer sei als bei Mastschweinen insgesamt. Nach einer Kalkulation der ISN werden sich die Landwirte in Zukunft auf um vier bis fünf Euro niedrigere Erlöse je Eber einstellen müssen.

Höherer Aufwand bei der Vermarktung

Knapp ein Drittel der bei Tönnies geschlachteten männlichen Schweine sind Eber, schätzen Branchenkenner. Den niedrigeren Preis begründet Vielstädte mit dem höheren Aufwand bei der Vermarktung. Die Schlachtkörper müssten auf den unerwünschten Ebergeruch kontrolliert werden. Zudem ließen sich Eber aufgrund von Kundenwünschen nicht zu allen Fleischerzeugnissen weiterverarbeiten.

Eber bringen bessere Mastleistungen

Schon seit den ersten Versuchen mit der Ebermast warnt die ISN vor einer Preisdifferenzierung zwischen weiblichen Schlachtschweinen, kastrierten und unkastrierten männlichen Tieren. Langfristig werden sich unterschiedliche Preise aber kaum vermeiden lassen, denn das Fleisch der weiblichen und der kastrierten männlichen Tiere lässt sich einfacher verarbeiten und vermarkten. Andererseits entfallen bei Jungebern die Kastrationskosten und die Tiere bringen bessere Mastleistungen. Für die Landwirte ist es eine Frage der betrieblichen Kalkulation, ob sich die Ebermast angesichts der sinkenden Erlöse weiter lohnt.

Weitere Alternativen notwendig

Einigkeit herrscht in der Branche, dass auch langfristig nicht komplett auf die Kastration verzichtet werden kann. „Gleichzeitig rückt der Tag des gesetzlich verankerten Verzichts auf die betäubungslose Ferkelkastration unaufhaltsam näher“, warnt die ISN. Die Bemühungen um jede weitere Alternative müssten deshalb dringend weiterverfolgt werden. (SB)
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