Weizenhandel

Türkei schockiert Südrussland

Seit Mitte März erhebt die Türkei für bestimmte Importe von Weizen und Mais sowie Sonnenblumenschrot und Sonnenblumenöl aus Russland Zölle. Die Lieferungen waren bisher von Zöllen befreit, wenn die Verarbeitungsprodukte wieder exportiert wurden.

Weizen für die Exportvermahlung
Die Türkei kauft regelmäßig große Weizenmengen am Weltmarkt. Der Internationale Getreiderat (IGC) schätzt 2016/17 Importe von 4,9 Mio. t Weizen. Ein erheblicher Teil davon geht in die Exportvermahlung. Denn die Türkei steht – zusammen mit Kasachstan – an der Spitze der globalen Weizenmehlexporteure. Die Mengen werden im internationalen Handel in Körnerform umgerechnet. Der IGC schätzt die gesamten türkischen Weizenexporte – also Körner und Mehl – 2016/17 auf 6,4 Mio. t. (db)
Dieser Vermarktungsweg hat besonders hohe Bedeutung bei Weizen (siehe Kasten). Das Agrarministerium in Moskau hat nach einem Bericht der Analysten von APK-Inform am Montag aus Ankara die offizielle Information über das Ende der Zollvergünstigungen erhalten. Für Weizen und Mais sollen Importzölle von 130 Prozent gelten. APK-Inform zitiert den russischen Agrarminister Alexander Tkatschjow mit den Worten, dass dies ein „schwerer Schock für die Getreideverkäufe aus Südrussland“ sei. Allerdings berichtet er auch, dass schon ein großer Teil der Ernte 2016 vermarktet sei.

Nach Informationen des Moskauer Büros des US-Agrarministeriums (USDA) ist für Russlands Weizenexporteure die Türkei zum zweitwichtigsten Auslandsmarkt hinter Ägypten geworden ist. Nach den USDA-Beobachtungen hat Russland in dieser Saison bis Februar bereits 2,0 Mio. t Weizen in die Türkei verkauft. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2015/16 berichtet das USDA von russischen Weizenlieferungen an den Bosporus im Umfang von 3,0 Mio. t. „Die Maßnahme wird tatsächlich Auswirkungen auf den Handel haben“, prognostizieren die amerikanischen Marktbeobachter.

Sie erklären sich die türkische Aktion mit einem nach wie vor nicht gelösten Konflikt zwischen beiden Ländern, der im November 2015 durch den Abschuss eines russischen Militärflugzeugs im türkisch-syrischen Grenzgebiet ausgelöst wurde. Offizielle Begründungen der Regierungen in Moskau und Ankara fehlen jedoch. (db)
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