Freihandelsabkommen

US-Farmer fürchten um Exporte nach Japan

Die US-Agrarwirtschaft ist wenig begeistert von der „America first"-Politik von Präsident Donald Trump. Bereits der  angeordnete Rückzug aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen hatte in der Branche Besorgnis ausgelöst. Die Farmer erhofften sich vom TTP bessere Absatzchancen in Ländern wie Japan und Südkorea. Nun müssen sie erleben, dass Europa in die Lücke stößt, die Trump geschaffen hat. Nach Korea soll nun auch Japan ein Freihandelsabkommen mit der EU schließen.

Japan der viertwichtigste Exportmarkt

In den US-Medien melden sich Vertreter der Landwirtschaft mit ihren Bedenken zu Wort. Das Abkommen zwischen der EU und Japan sei eine erhebliche Bedrohung für die Agrarexporte der USA nach Japan, stellt Veronica Nigh vom US-Bauerverband American Farm Bureau fest. Japan habe 2016 US-Agrarprodukte im Wert von 11 Mrd. US-$ importiert und sei damit der viertwichtigste Exportmarkt. Die Ökonomin fürchtet, dass es nun zu einem Rückgang des US-Marktanteils für Schweinefleisch, Rindfleisch, Käse, verarbeitete Lebensmittel und Wein kommen wird. Die EU habe bereits eine starke Präsenz in Japan, die durch die künftigen Zollvorteile noch zunehmen werde.

Angst vor Präzedenzfall bei Herkunftsangaben

Auch beim National Milk Producers Council läuten die Alarmglocken. Das Freihandelsabkommen verschaffe europäischen Produkten wie Käse, Milchpulver und Butter einen besseren Zugang zum japanischen Markt, so die für Handelspolitik zuständige Vizepräsidentin Shawna Morris. Noch mehr Sorge bereitet Morris die Tatsache, dass Japan 200 geschützte geografische Bezeichnungen wie Feta oder Parmesan anerkannt hat. Befürchtet wird, dass sich diese Regelungen auch auf Käseimporte der USA nach Japan auswirken könnten. Beth Hughes von der International Dairy Foods Association verweist darauf, dass die US-Milchproduktion bis 2027 um fast ein Viertel wachsen wird. Bilaterale Vereinbarungen, vor allem in der Region Asien-Pazifik, sind aus ihrer Sicht von entscheidender Bedeutung, um zusätzliche Mengen im Export absetzen zu können.

Ruf nach schnellen Vereinbarungen mit Japan

Auch bei den Produzenten von Schweinefleisch geht die Angst um, in Japan ins Hintertreffen zu gelangen. „Die Vereinigten Staaten müssen schnell einen Handelsvertrag mit Japan abschließen, wenn sie diesen wichtigen Markt behaupten wollen“, fordert Ken Maschhoff vom National Pork Producers Council. Japan sei der hochwertigste Exportmarkt für Schweinefleisch aus den USA und habe 2016 mit 1,6 Mrd. US-$ für 26 Prozent des Exportumsatzes gesorgt. Durch die Absenkung der Zolltarife hätten die EU-Produzenten einen signifikanten Vorteil, warnt auch die U.S. Meat Export Federation. Die EU sei ein aggressiver und schwieriger Konkurrent, und zurzeit noch der zweitgrößte Anbieter hinter den USA. (SB)
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