Rote Vorzeichen

Weizen in Chicago unter Druck


Die Ernte von Winterweizen in den USA hat zwar diese Woche an Tempo gewonnen und mit einem Druschfortschritt von 75 Prozent wieder Durchschnittswerte erreicht. Doch die Qualität des Getreides hat offenbar unter den Regenfällen der vergangenen Wochen gelitten. Das betrifft besonders Anbaustaaten wie Indiana oder Ohio im Mittleren Westen der USA.

Dort kommen auch die Feldarbeiten nicht so recht vom Fleck. So haben Farmer in Indiana nach Angaben des US-Agrarministeriums USDA bis Sonntag erst 72 Prozent ihres neuerntigen Weizens gedroschen – der mehrjährige Durchschnitt für diesen Zeitpunkt der Erntesaison liegt bei 95 Prozent. In Ohio ist bislang erst etwas mehr als die Hälfte der Ernte eingefahren – damit liegen die Feldarbeiten knapp 40 Prozentpunkte hinter dem Fünfjahresschnitt.

Erfasser lehnen DON belastete Partien ab

Neben der Verzögerung der Feldarbeiten sorgt das nasse Wetter für Diskussionen um die Qualität des Soft-Red-Winterweizen (SRW). Geringere Proteinwerte und Belastungen mit dem Schimmelpilzgift DON sind demnach die Folge des Regenwetters der vergangenen Wochen. Einige Erfasser in den betroffenen Regionen hätten Weizenpartien aufgrund von DON-Belastungen abgelehnt, berichtet agrimoney.com unter Berufung auf Mitarbeiter des US-Agrarministeriums USDA im Mittleren Westen. Einige Weizenlieferungen seien qualitativ so schlecht, dass „sie nicht verkehrsfähig sind“. Auch der Verband der US-Weizenexporteure US Wheat Associates berichtete kürzlich von schlechteren Qualitätseinstufungen bei SRW als im Vorjahr.

Die Qualitätssorgen verbunden mit einer schleppenden Exportnachfrage belasten die Weizenkurse in Chicago. Sowohl bei Hard Red Winter, das reger gehandelte Produkt, als auch bei Soft Red Winter hinken die Ausfuhren hinter den Vorjahreswerten her. Das zeigt die jüngste offizielle Statistik. Die SRW-Exporte in Richtung Asien und Afrika sind regelrecht eingebrochen, während sich das Südamerika-Geschäft stabil zeigt. Mehr SRW dürfte in die Futterverwertung treten statt in den Export. Da steht das Getreide aber im preislichen Wettbewerb zu Mais. (pio)
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