Märkte am Morgen: Getreide

Weizenkurse heben ab

Weizen: In Chicago war der Teufel los. Die Weizenkurse zogen bis zu 30 Cents/Bushel für die vorderen Termine an. Massive Shortabdeckungen und Käufe der Fonds trieben die Rallye an. Im Wochenverlauf legen Chicagoer Weizenkurse 15 Prozent zu, der größte Wochengewinn seit etwa drei Jahren.
 
Der technische Hintergrund: die offenen Positionen in Chicago bauen sich bei den Weizen-Futures am Freitag um mehr als 12.000 Kontrakte und die offenen Positionen der Optionen verringern sich um sogar 201.000 Kontrakte. Die Fonds wetteten bis vor kurzem auf fallende Weizenpreise und haben erhebliche Short-Position aufgebaut. Im Mittleren Westen der USA kommt die Weizenernte aufgrund der nassen Wetterlage nicht voran und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Die Nachrichtenlage aus fast allen Teilen der Welt sieht zudem bullischer für den Weizen aus.

Auch Matif legt kräftig zu
 
Der US-Wettermarkt schwappt auf Europa über, denn in dieser Woche nimmt ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet mit einer Hitzewelle Westeuropa in Griff. Die Matifnotierungen zogen bis knapp 9 €/t an. Der August schloss etwas oberhalb von 194 €/t, der September bei 196 €/t. Die kräftige Rally ging einher mit einem äußerst lebhaften Handel. Mit knapp 4,8 Mio. t Weizen wurde an der Matif das zweitgrößte Handelsvolumen seit dem Start der Weizenfutures gedreht. Die Vermutung liegt nahe, dass die Fonds auch in Paris umfangreiche Short-Positionen glatt gestellt haben könnten.
 
Das französische Getreideamt AgriMer hat die Bonitierung der Winterweizenbestände in Frankreich um 3 Prozent für die Kategorien gut bis exzellent zurückgenommen. Allerdings sehen immer noch gut 80 Prozent gut bis exzellent aus. Coceral korrigierte seine Schätzung für die europäische Weizenernte aufgrund größerer Aussaatflächen in Südosteuropa zur nach oben, bleibt mit 140,6 Mio. t aber noch etwas unter den Prognosen des IGC und von Strategie Grains.
 
Für Australien halten die Analysten der Rabo-Bank aufgrund des El-Niño Effektes eine 25 Prozent kleinere Weizenernte als im Vorjahr möglich. In Kanada leiden die Weizenbestände weiterhin unter Trockenheit und die Bonitierung für Sommerweizen wurde zurückgenommen. Für die Ukraine bewegen sich Schätzungen der diesjährigen Weizenernte zwischen 24 und 24,5 Mio. t.

Mais: Die Weizenrallye lässt auch die Maisnotierungen in Chicago bis zu 9,6 Cents/Bushel anziehen. Der Dezember schließt erstmals seit April wieder oberhalb der Marke von 4 US-$/Bushel. Die nasse Witterung in Mittleren Westen stabilisiert die Kurse. Mais reagiert auf ‚nasse Füße‘ zwar nicht ganz so empfindlich wie die Sojabohnen, doch lokalen Medienberichten gibt es bereits irreversible Nässeschäden in einigen Teilen des mittleren Westens. Das nasse Wetter lässt zudem erste Diskussion über Ertragsdepression für die kommende US-Maisernte aufkommen.
 
Auch bei Mais war der Kursanstieg in Chicago von starken technischen Einflüssen begleitet. Die offenen Positionen der Chicagoer Maisfutures bauten sich am Freitag nach vorläufigen Zahlen um mehr als 42.000 Kontrakte und die Optionen um knapp 346.000 Kontrakte ab.
 
In Paris setzt sich die feste Tendenz für Mais fort. Wettermarkt-Einfluss und der festere Weizen lassen den August um 4,50 €/t auf 173,50 €/t und den der November um 6,25 €/t auf 175,50 €/t anziehen. Der März-Termin knackt im Tageshoch die Marke von 180 €/t. Mit mehr als 6500 Kontrakten war der Maishandel an der Matif ausgesprochen lebhaft. (St)
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