200 Euro außer Sicht

Weizenmarkt steckt in Bärenfalle

Luft nach oben ist für die Weizenpreise aktuell kaum erkennbar. Großzügige Ernten weltweit lasten auf den Börsenkursen in Paris und Chicago. Am Donnerstag hat der Internationale Getreiderat IGC seine Erwartungen an die globale Weizenernte 2015 noch einmal nach oben geschraubt: Auf 727 (Vorjahr: 720) Mio. t schätzte der Internationale Getreiderat IGC in London am Donnerstag die weltweite Weizenproduktion. Das sind noch einmal 7 Mio. t mehr als in der August-Prognose.

Deutlich angehoben hat der IGC zwar auch seine Schätzung für den globalen Weizenverbrauch auf jetzt 719 Mio. t. oder das zweithöchste Niveau seit Erfassung der Daten aufgrund eines geringeren Maisangebots, vor allem in der EU. Der große Verbrauch bremst allerdings nicht den Bestandsaufbau: Die globalen Weizenvorräte zum Ende der Saison 2015/16 sollen 211 Mio. t umfassen, das wären 9 Mio. t mehr als im Vorjahr.

El-Nino-Szenario verliert Schrecken

Vor dem Hintergrund der bärischen Fundamentaldaten backen auch die Rohstoffanalysten der Commerzbank inzwischen kleinere Brötchen. Hatten sie den Weizenpreis an der Matif für das vierte Jahresquartal im Frühjahr noch auf 200 €/t prognostiziert, gehen sie aktuell nur noch von 175 €/t für das Schlussquartal aus. Am Donnerstagnachmittag wird der Frontmonat Dezember mit 172,50 €/t bewertet.

Die Gründe für die gedämpften Preiserwartungen: Das El-Nino-Szenario verliert vor dem Hintergrund vorteilhafter Niederschläge im Winter auf der Südhalbkugel seinen Schrecken für die australische Weizenernte. Hinzu kommt nach Einschätzung der Analysten starke Konkurrenz für die EU-Weizenexporteure: Händler aus der Schwarzmeerregion haben ordentliche Ernten eingefahren und obendrauf auch noch einen Preisvorteil.

Daran ändere auch die von Moskau verhängte Abgabe auf Weizenausfuhren wenig: „In Russland dürfte die im Juli in neuer Form eingeführte Exportsteuer allenfalls bremsend wirken, höhere Exporte aber nicht verhindern. Schon gar nicht, wenn die Exporteure mit ihren derzeitigen Forderungen nach einer Entschärfung der Steuer Erfolg haben sollten“, hält die Commerzbank dazu fest. (pio)
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