Ausblick Märkte 2018

Schwierige Perspektiven für Weizenexport


Am Weizenmarkt sind die Aussichten verdunkelt, denn Knappheitsfantasien sind Fehlanzeige.
Foto: Kurt Michel / pixelio.de
Am Weizenmarkt sind die Aussichten verdunkelt, denn Knappheitsfantasien sind Fehlanzeige.

Deutschlands Chancen im globalen Weizenhandel sind geringer als im Vorjahr – auch wenn die zweite Saisonhälfte etwas Schwung ins Geschäft bringen dürfte. Darüber hinaus kann ein Auftreten von La Niña die Weizenpreise stützen.

Am deutschen Kassamarkt werden die Prämien für Weizen auf die Matif-Kurse voraussichtlich hoch bleiben. Das teilen die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ) in Köln, die Agravis Raiffeisen AG in Münster/Hannover und die Baywa AG in München unisono auf Anfrage der agrarzeitung (az) mit. Doch am insgesamt gedrückten Preisniveau wird sich wenig ändern. Vor allem wegen der geringeren Exporte aus der EU sieht die Baywa „aktuell keine Gründe für eine nachhaltige Steigerung der Matif-Preise“. Die RWZ rechnet an der Pariser Börse im Verlauf des Jahres 2018 eher mit Weizenkursen zwischen 160 und 165€/t als, wie manche Rohstoffanalysten, mit bis zu 175€/t.

In der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres 2017/18 wird Deutschland wie üblich mehr Weizen exportieren als zu Beginn der Saison, erwartet die Agravis. Traditionelle Käufer deutscher Qualitäten in Ostafrika würden zu diesem Zeitpunkt aktiver am Markt. Doch das Potenzial bleibt hinter dem Vorjahr zurück, da das Angebot aufgrund niedrigerer Anfangsbestände kleiner ist und schwächere Qualitäten den Exportüberschuss begrenzen. Unverändert hoch bleibt die Konkurrenz vom Weltmarkt. Deswegen sei nicht ausgemacht, dass in Deutschland der Exportmotor „die Drehzahl der vergangenen Jahre erreichen kann“, zeigt sich auch die Baywa eher pessimistisch. Im Vergleich zu 2016/17 gehen die Münchener auch am EU-Binnenmarkt von geringeren Möglichkeiten für deutschen Weizen aus. Zur Begründung nennen sie den qualitativ und quantitativ starken Wettbewerb aus Frankreich. Die Konkurrenz der Franzosen in den Absatzmärkten Niederlande und Belgien bekommen vor allem Marktteilnehmer an der Rheinschiene zu spüren.

Die RWZ stellt unterdessen fest, dass Deutschland zuletzt Chancen bei Export-Tendern aus Saudi-Arabien und dem Iran hatte, allerdings bei starker Konkurrenz aus dem Baltikum. Die Kölner schätzen die Exportchancen der EU insgesamt gedämpft ein: Aktuell blieben die Ausfuhren um etwa 20 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück; der harte Wettbewerb aus Russland erschwere ein Aufholen. Wohlwollender klingt die Agravis: Frankreich werde in den kommenden Monaten mehr in Drittstaaten exportieren. Dadurch würde die EU die Vorjahresmarke nur leicht verfehlen – und ein deutlicher Aufbau der Endbestände würde gebremst.

Impulse für steigende Preise sind in dieser Gemengelage schwer auszumachen. Einen immerhin liefert das Statistische Bundesamt. Es geht von einer um knapp 5Prozent kleineren Winterweizenfläche zur Ernte 2018 in Deutschland aus. Die Baywa und die RWZ halten die Entwicklung des Weizenangebots aus der Schwarzmeerregion zur Ernte 2018 für entscheidend für die weitere Marktentwicklung. Die Agravis verweist auf Wechselwirkungen aus dem Futtergetreidemarkt: Schmälert das Klimaphänomen La Niña die Ertragsaussichten für Sojabohnen aus Südamerika, würde Sojaschrot teurer. Weizen könnte als alternative Komponente in den Futtermischungen davon profitieren. Generell wird die Nachfrage der Mischfutterindustrie den Takt am deutschen Weizenmarkt vorgeben. Zudem bestimmt die Entwicklung des Eurokurses im Verhältnis zum US-Dollar, wie sich EU-Weizen im globalen Wettbewerb behaupten kann.

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