Brexit

Britische Pflanzkartoffeln könnten teurer werden


Der AHDB macht eine Positionsbestimmung für den britischen Kartoffelmarkt und verspricht sich viel von einem Chinageschäft.
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Der AHDB macht eine Positionsbestimmung für den britischen Kartoffelmarkt und verspricht sich viel von einem Chinageschäft.

Welche Auswirkungen der Brexit auf die Landwirtschaft in Großbritannien hat, untersucht der britische Branchenverband AHDB. Die heimische Kartoffelverarbeitung könnte demzufolge profitieren.

Eine sehr hohe Bedeutung für den britischen Kartoffelmarkt hat der Export von Pflanzkartoffeln - allerdings vor allem außerhalb der EU. Im Schnitt exportieren die Briten pro Jahr 109.000 t Saatkartoffeln mit einem Durchschnittswert von umgerechnet rund 55 Mio. Euro. In den letzten fünf Jahren war Ägypten das Ziel für nahezu die Hälfte aller britischen Kartoffelexporte. 

Pflanzkartoffelexport wird nach dem Austritt teurer

Ägypten und Marokko erheben für die Einfuhr von Pflanzkartoffeln WTO-Drittlandtarife in Höhe von 2 und 2,5 Prozent. Die EU ist jedoch davon ausgenommen. Das Vereinigte Königreich müsste also nach dem Brexit diese zusätzlichen Kosten für die Ausfuhr in diese wichtigen Bestimmungsländer tragen, wenn kein Handelsabkommen besteht.
Vielversprechend erscheint für die Briten der chinesische Markt. Kürzlich wurde eine Einfuhrvereinbarung von Saatkartoffeln in Richtung China geschlossen. Auch in Kenia, Kuba und Brasilien soll laut AHBD noch Potenzial stecken.
Für den Handel mit Pflanz-, aber auch mit Speisekartoffeln zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU befürchtet der Branchenverband nun zusätzliche phytosanitäre Kontrollen. Damit einhergehen würden ein erschwerter Export, Verzögerungen und damit letztendlich steigende Kosten für die Unternehmen. 

Ausfuhr an Saatkartoffeln aus dem Vereinigten Königreich in den vergangenen fünf Jahren.
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Ausfuhr an Saatkartoffeln aus dem Vereinigten Königreich in den vergangenen fünf Jahren.

Hoher Austausch frischer Kartoffeln

Großbritannien ist ein Nettoimporteur von frischen und gekühlten Kartoffeln. Die EU zählt dabei zu den Hauptlieferanten. Im Fünfjahreszeitraum stammen im Schnitt 76 Prozent der frischen Kartoffeln aus der EU. Israel ist die wichtigste Quelle außerhalb der EU. 
Gleichzeitig werden mit 97 Prozent die meisten frischen Kartoffeln aus Großbritannien in die EU verschickt. Die Einfuhr von frischen und gekühlten Kartoffeln in die EU unterliegt einem WTO-Drittlandtarif von 11,5 Prozenrt. Im Rahmen eines Präferenzabkommens sind die Einfuhren aus Israel zollfrei. Da die meisten Frischkartoffelimporte aus Nicht-EU-Ländern in das Vereinigte Königreich aus Israel stammen, muss das Vereinigte Königreich möglicherweise ein eigenes Abkommen mit Israel aushandeln, sofern es nicht beschließt, die Zollsätze aller Einfuhren zu streichen.

Britsche Chips gehen nach Irland

Verarbeitete Kartoffelprodukte wie Chips sind ein wachsender Exportfaktor im britischen Kartoffelmarkt. 2017 betrugen die Ausfuhren rund 26.000 t und lagen deutlich über dem Vorjahr. Da der britische Markt gesättigt ist, richten die Hersteller ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf ausländische Märkte. Die EU ist dabei das Hauptziel für Chips aus dem Vereinigten Königreich, Irland gehört mit 54 Prozent zu den Hauptabnehmern.

Selber mehr verarbeiten

Der Löwenanteil an Kartoffelimporten in Richtung Vereinigtes Königreich entfällt auf Tiefkühlware. Nahezu alle (99 Prozent) gefrorenen Kartoffelprodukte der letzten fünf Jahre stammten aus 60 Ländern der EU. Im Jahr 2017 stiegen die Importe auf mehr als 610.000 t an. Der Wert betrug umgerechnet knapp 500 Mio. Euro. 

Wenn das Vereinigte Königreich Importzölle für gefrorene Kartoffelprodukte erheben sollte, könnte dies zu einer Steigerung der heimischen Kartoffelverarbeitung führen, vermutet der AHDB. In Schottland gibt es für Landwirte nur begrenzte Möglichkeiten, Verarbeitungssorten anzubauen, aber Saatkartoffelsorten für die Verarbeitung könnten nach England transportiert werden. Dies könnte der britischen Lieferkette ermöglichen, einheimische Produkte zu einem Preisvorteil gegenüber importierten Produkten herzustellen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass das Vereinigte Königreich über ausreichende Verarbeitungskapazitäten zur Deckung der gesamten Inlandsnachfrage verfügt, so das Fazit.

Analyse nach Produkt
Welche Auswirkungen der Brexit auf die Landwirtschaft in Großbritannien hat, untersucht die britische Absatzförderungsgesellschaft für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB). Es nimmt sich in einer Serie von Analysen einzelne landwirtschaftliche Produktsparten vor: Getreide, Ölsaaten, Milch, Fleisch und Kartoffeln. Die agrarzeitung veröffentlicht die Ergebnisse in loser Folge.

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