Ernte 2019

DRV sieht Risiko einer erneuten Dürre


Der DRV hat seine Erwartungen an die neue Getreideernte in Deutschland leicht erhöht.
Foto: Pixabay
Der DRV hat seine Erwartungen an die neue Getreideernte in Deutschland leicht erhöht.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat seine Erwartungen an die Getreideernte 2019 in Deutschland leicht erhöht. Europaweit war es nach Einschätzungen des Verbandes aber in den vergangenen Wochen zu trocken.

In seiner zweiten Ernteschätzung beziffert der DRV die hiesige Getreideproduktion mit 47,6 Mio. t. Das sind 0,5 Mio. t mehr als im Vormonat prognostiziert und ein Anstieg um 9,6 Mio. t oder 25 Prozent gegenüber der schwachen Vorjahresernte, teilte der Verband am Dienstag in Berlin mit. Die Erwartungen an die Winterweizenernte in Deutschland erhöht der DRV um 0,3 Mio. t gegenüber dem Vormonat auf 24,1 (Vorjahr: 19,6) Mio. t. An Wintergerste sollen Landwirte 9,9 (Vormonat: 9,8; Vorjahr 7,4) Mio. t einfahren; die Maisernte prognostiziert der Verband weiterhin 1 Mio. t höher als im Vorjahr und somit auf 4,3 Mio. t.

Ab der zweiten Aprilhälfte wird nach Einschätzung des DRV die Aussaat von Mais starten, während alles andere Sommergetreide bis auf Einzelfälle bereits im Boden sei. Dem Verband zufolge sind ausreichende Regenfälle in den kommenden Wochen erforderlich, damit die Getreide- und Rapsbestände ihr Ertragspotenzial entfalten können. „Insbesondere im Norden und Nordosten werden in nächster Zeit kontinuierliche Niederschläge benötigt. Dort sind die Defizite des Vorjahres bislang nicht ausgeglichen worden, Wasser in tieferen Bodenschichten fehlt oftmals“, betont DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler. Auch europaweit mehren sich nach Angaben des Verbandes in zahlreichen Regionen die Sorgen vor einer erneuten Dürre. Insgesamt waren die Monate Februar und März wärmer und trockener als im Durchschnitt. In Süd- und Südosteuropa ist es bereits jetzt in vielen Gebieten zu trocken.

EU-Kommission schätzt Rapsfläche zu hoch ein

Im vergangenen Monat haben sich laut DRV die Getreidebestände weiterhin gut entwickelt. „Allerdings hat die kühle und wechselhafte Witterung der vergangenen Wochen dazu geführt, dass sich der Vegetationsvorsprung, der noch im Vormonat bis zu drei Wochen betrug, nahezu vollständig aufgelöst hat“, so Seedler. Auch die Rapsbestände haben sich trotz der teilweise schwierigen Startbedingungen im vergangenen Herbst weiterhin gut entwickelt, die Blüte hat deutschlandweit begonnen. Obwohl der DRV die Durchschnittserträge im Vergleich zum Vormonat leicht angehoben hat, wird die Erntemenge aufgrund der um 25 Prozent kleineren Anbaufläche mit 3,2 Mio. t deutlich unter dem Vorjahresergebnis von 3,7 Mio.t liegen.

Auch europaweit ist fraglich, ob die diesjährige Rapsernte das Ergebnis des Vorjahres erreicht. Zwar geht die EU-Kommission gegenwärtig noch von einer Ernte auf dem Vorjahresniveau von 19,9 Mio. t aus. Ob diese Menge jedoch auch tatsächlich geerntet wird, ist aus Sicht des DRV „mehr als fraglich“, da die EU-Kommission von einer zu hohen Anbaufläche für Deutschland ausgehe. Die Brüsseler Behörde legt 1,1 Mio. ha und damit gut 200.000 ha mehr als das Statistische Bundesamt zu Grunde.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Jörg Leiter
    Erstellt 17. April 2019 09:37 | Permanent-Link

    Dass der Deutsche Raiffeisenverband immer schon im Frühling weiß wie die Ernte ausfällt, ist doch schon ganz seltsam.
    Hier sollen doch nur mit hoch geschätzten Erntemengen die Preise gedrückt werden. Raiffeisen sollte für die Bauern dasein.

  2. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 18. April 2019 08:30 | Permanent-Link

    Raiffeisen ist der Zeit doch weit voraus, nutzt augenscheinlich schon die grandiose DWD-Wetter-App, wonach mittlerweile 6 Wochen im voraus die sodann nutzbaren Feldkapazitäten blind von jedem Schreibtischtäter abgeschätzt werden können.

    Im Frühstücksfernsehen heute Morgen hat unsere „EINE STIMME“ des deutschen/europäischen Bauernverbandes kurz die derzeitige Trockenheit angerissen, sofort aber beruhigend für wirklich jeden hungrigen Verbrauchermagen suggeriert, dass alles absolut im grünen Bereich sei u. sich dazu alter Bauernweisheiten in Reimform bedient: „Wird der Mai kühl und nass, füllt‘s dem Bauer Scheuer und Fass.“

    Nun, hoffentlich haben das unsere bereits vertrocknet notleidenden Pflänzchen auch vernommen und sparen sich ihre letzten Kraftreserven bis in den Mai hinein auf...

    Einstweilen verzeichnen wir ein stabiles skandinavisches Sommerhoch mit österlichen Temperaturen von um die 25 Grad bis in den Mai hinein. - Rukwied & seine Kumpanen, namentlich zu nennen natürlich unser hoch verehrter Herr Holzenkamp, Herrscher über unsere obersten berufsständischen Gremien, dürfen also fröhlich pfeifend baden gehen. Hoffentlich reichts Wasser in unseren heimischen Badeseen für dieses fröhliche Profi-Planschen.

    Chapeau, allerliebster Herr Rukwied, unser „MARKT“ reagiert sicherlich prompt! - Glückwunsch an jene Kollegen, die ihre Ernten schon ausgangs Winter zur Hälfte preislich abgesichert haben. Hoffentlich entsprechen diese bereits kontrahierten Mengen nicht schon der gesamten Ernte, müssen nicht gar als Leerverkäufe teilweise ausgebucht werden. Das könnte sich als für die Bauern durchaus gefährliche Fallstricke entpuppen.

stats