Getreidemarkt

Chinas kauft flexibel und billig


Welche Rolle China in Zukunft auf den globalen Getreidemärkten spielen wird ist ungewiss. Ein Trend zeichnet sich aber schon heute ab, zeigte sich beim 9. Commodity-Tag der Norddeutschen Landesbank.

Als einer der größten Getreideproduzenten und der Verwalter eines großen Teils der globalen Vorräte ist Chinas Rolle auf dem Weltmarkt gewaltig. Bei den Importen sind die Mengen jedoch in den vergangenen Jahren relativ klein geblieben, erläuterte Bernd Chilla, Agrarmarktanalyst der Agravis, am Montag beim 9. Commodity-Tag der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB). Während die Einfuhren von Sojabohnen innerhalb eines Jahrzehnts vervielfachten sind die Maisimporte kaum gestiegen. Seit Jahren prognostizieren internationale Analysten einen steigenden Importbedarf, der sich bisher aber nicht eingestellt hat.

Beimischungsquoten für Bioethanol geplant

Chilla sieht in der chinesischen Politik Argumente für einen steigenden Maisverbrauch, der zu einem wachsenden Importbedarf führen sollte. Das Land fördere die Produktion von Maissirup als Rohzuckerersatz. Darüber hinaus gebe es Pläne, die Herstellung von Bioethanol aus Mais durch Beimischungsquoten auszubauen. Die hohen Maisbestände in China seien in jüngster Zeit bereits abgebaut worden. Sollten die aktuellen Bioethanol-Pläne bis 2020 umgesetzt werden, würde das den Maisbedarf um 15 bis 20 Mio. t jährlich steigern. Fraglich sei allerdings, ob sich die Herstellung des Biokraftstoffs angesichts des hohen Maispreisniveaus lohne. Deshalb könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die chinesische Bioethanolpolitik ändert.

Chinesische Händler suchen Nischen

Bei genauer Beobachtung zeigt sich, dass China beim Getreideimport „relativ clever agiert“, wie der Agravis-Experte erklärte. 2013 gewährte die Volksrepublik der Ukraine einen Milliardenkredit, der über die Lieferung von Mais zurückgezahlt wird. Außerdem beobachten die chinesischen Händler die Märkte für die weniger wichtigen Getreidearten wie Sorghum und Gerste aufmerksam und nutzen sie bietende Chancen, günstig Ware importieren zu können. Dadurch schwanken die jährlichen Importmengen stark. Im Jahr 2014/15 importierte China 10,2 Mio. t Sorghum und zwei Jahre später nur 5,2 Mio. t. Die Maisimporte lagen in den beiden Jahren 5,5 Mio. t und 2,5 Mio. t auf einem ebenfalls unterschiedlichen Niveau. Dieses situative Verhalten macht die Importnachfrage Chinas wenig planbar, kann kurzfristig aber zu einer Verschiebung der Warenströme führen, die sich bis auf den deutschen Markt auswirken. Relativ konstant entwickelten sich in den vergangenen Jahren die Gerstenimporte, die von 5,9 Mio. t im Jahr 2015/16 auf voraussichtlich 9,5 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr zulegen.

Deutschland fehlt phytosanitäres Abkommen

Damit auch Deutschland von der chinesischen Nachfrage profitieren kann, müssen zunächst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Noch gibt es kein phytosanitäres Abkommen, sodass Weizen und Gerste aus Deutschland derzeit nicht in die Volksrepublik geliefert werden dürfen. Andere Länder wie die die EU-Staaten Frankreich, Großbritannien und Ungarn können bereits Weizen nach China liefern. Für Gerste haben unter anderem Frankreich, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Kanada, Australien, Argentinien, die Ukraine und Uruguay eine Zulassung.

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