Ausblick Milchmarkt

„Brexit belastet Milchmarkt“


Susanne Glasmann ist die Geschäftsführerin des Verbandes Bayerischer Privater Molkereien.
Bild: Verband
Susanne Glasmann ist die Geschäftsführerin des Verbandes Bayerischer Privater Molkereien.

Susanne Glasmann, Geschäftsführerin des Verbandes Bayerischer Privater Molkereien, im az-Interview über Milchpreise, Anbindehaltung und die politischen Rahmenbedingungen für das kommende Jahr.

agrarzeitung: Welche Einflüsse bestimmten die Milchpreise 2019?

Glasmann: Die Verhandlungen zum Brexit sind nicht abgeschlossen und es besteht viel Ungewissheit. Mit einem harten Brexit wäre der Milchmarkt in Irland und in der gesamten EU belastet. Im Sommer hat uns das Klima stark beschäftigt. Teilweise wurde ein Rückgang der Milchmengen wegen Futterknappheit befürchtet. Zwar schmelzen die Interventionsbestände beim Magermilchpulver langsam ab, dennoch wird das Marktniveau durch die Fettpreise gehalten.

Bleiben die Preise also stabil?

Glasmann: Saisonal ist in den kommenden Wochen mit Druck auf den Markt zu rechnen und entsprechend werden auch die Milchpreise reagieren müssen. Für 2019 wird neben dem Brexit auch das Geschenk von Donald Trump in Form von Milliardensubventionen an die US-Landwirtschaft eine Rolle spielen. In Europa nimmt der politische Einfluss auf den Markt ab; in wichtigen Exportländern wird dagegen viel unternommen, um die eigenen Märkte zu schützen.

Wie schätzen Sie den Marktverlauf im neuen Jahr ein?

Glasmann: Mir ist es nicht möglich, Konkrete Preise zu nennen. Bei normalen Verhältnissen wird das Jahr – bis auf die saisonalen Schwankungen – stabil verlaufen. Wir haben jedoch durch den Strukturwandel bei den Molkereien keine einfache Situation für Milcherzeuger, die einen neuen Abnehmer suchen.

Gibt es weitere Herausforderungen für den Markt 2019?

Glasmann: Hier sehe ich vor allem Themen, die über die NGOs an die Verbraucher herangetragen werden. Die Glyphosat-Debatte hat uns das ganze Jahr beschäftigt. Auch wenn die Aussagen der Wissenschaft eindeutig sind: Das Vertrauen der Verbraucher ist nicht zurückzugewinnen. Die Milchwirtschaft sieht sich in der Verantwortung, den Verbraucherwünschen Rechnung zu tragen. In den Mittelpunkt ist auch das Tierwohl gerückt.

In Bayern ist die Anbindehaltung noch verbreitet...

Glasmann: Der Ausstieg aus der Anbindehaltung ist besiegelt. Ziel war es, einen Strukturbruch zu verhindern und den Einstieg in die Kombinationshaltung für viele zum Übergang zu ermöglichen. Ob das gelingt, ist fraglich. Auch wird es nicht bei der Forderung nach einem Laufstall bleiben; schon genügt der nicht mehr und die Weide muss es sein. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats