Märkte am Mittag

Verarbeiter ziehen Kontrakte vor


Die niedrigen Wasserstände stellen die Flexibilität von Kunden und Lieferanten auf die Probe. Ware zur späteren Lieferung wird teilweise jetzt schon abgerufen.

Die Weizenkurse an der Matif in Paris rutschen zum Fronttermin Dezember 2018 ein Stückchen weiter unter die 200-Euro-Marke. Der Frontkontrakt notiert am Mittwochmittag mit 198,50 €/t und damit 0,25 €/t unter dem Schlusskurs von Dienstag. Die folgenden Laufzeiten März und Mai 2019 halten sich mit 202 €/t und 203,25 €/t weiter über der 200-Euro-Marke, während der Ex-Ernte-Termin September 2019 mit 188 €/t bewertet wird. Raps an der Matif hingegen wird mit 368,75 €/t 1,50 €/t fester bewertet als am Vortag. In Chicago liegen die Notierungen bis auf Sojabohnen und -schrot im roten Bereich.

Markttendenz
Generell wird derzeit am Markt kolportiert, dass Mischer, Getreide- und Ölmüller bis zum Jahreswechsel gut versorgt sind. Die Niedrigwassersituation führt jedoch dazu, dass kontrahierte Ware nur über Umwege oder verspätet zum Ziel kommt.

Unterdessen ist das Handelsgeschäft am deutschen Kassamarkt verhalten. Im Norden und Osten steht am heutigen Mittwoch der Reformationstag als Feiertag auf dem Kalender; am Donnerstag in vielen anderen Bundesländern aufgrund des Feiertags „Allerheiligen“ Handelsflaute.

Mühlen wollen fob-Ware aus Frankreich loswerden

Davon einmal abgesehen, treibt die Marktteilenehmer weiterhin das Thema Niedrigwasser um. Die logistischen Beeinträchtigungen an der Rheinschiene bei der Erfüllung bestehender Kontrakte sind immens, wie Handelsbeteiligte berichten. „Käufer und Verkäufer müssen Kompromisse finden“, beschreibt ein Makler aus dem Westen die Situation im Gespräch mit agrarzeitung.de.

Hat ein Käufer einen fob-Kontrakt für Getreidelieferungen geschlossen, trägt er ab dem Zeitpunkt, ab dem die Ware auf das Schiff verladen wurde, alle Kosten. Folglich versuchen Käufer derzeit, aus diesen Kontrakten herauszukommen: „Haben rheinische Mühlen fob-Kontrakte für Weizen aus Frankreich, versuchen sie, den Weizen in Frankreich selbst loszuwerden, statt durch Kleinwasserzuschläge erhöhte Lieferkosten zu tragen“, heißt es dazu. Um dennoch Weizen fristgerecht zu bekommen, würden Verarbeiter mit Händlern sprechen, um beispielsweise Kontrakte zur Januar-Lieferung vorzuziehen. „Wenn es keine Prämienkontrakte sind, steht der Preis fest, von daher gesehen gehen Lieferanten in der Regel den Kompromiss ein“, sagten Marktkenner zu agrarzeitung.de.

Bei cif-Kontrakten gehen Kleinwasserzuschläge in der Fracht auf Kosten des Verkäufers. Daher versuchen cif-Lieferanten derzeit, Ware stattdessen mit Lkw zu befördern, die chronisch knapp und daher grundsätzlich teuer sind.

Die Niedrigwasser-Situation hat entlang der Rheinschiene den Effekt, dass Neugeschäft quasi zum Erliegen gekommen ist. Marktteilnehmer wollen lieber abwarten, bis sich die Lage am Frachtmarkt entspannt hat.

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