Märkte am Mittag

Wasde wirft Schatten voraus


Am deutschen Kassamarkt herrscht Zurückhaltung  vor Veröffentlichung der Zahlen des US-Agrarministeriums am Abend. Die Börse in Paris bewegt sich mit Schwächetendenz seitwärts; in Chicago dominieren grüne Zahlen.

Am heutigen Dienstagabend wird das US-Agrarministerium USDA seinen Marktbericht „Wasde“ für Juni veröffentlichen. Marktteilnehmer warten gespannt auf die Zahlen zur neuen Ernte in Russland. Dort mehren sich Berichte über mögliche, trockenheitsbedingte Ertragseinbußen. Prognostizierte das USDA in seinem „Mai“-Wasde noch 72 Mio. t Weizen in Russland 2018, haben dortige Analysten ihre Erwartungshaltung inzwischen schon auf 68 Mio. t heruntergeschraubt. Ebenfalls im Fokus des Interesses sind die Prognosen für die US-Weizenproduktion, da wichtige Winterweizengebiete ebenfalls unter Trockenheit leiden. In seinem Vormonatsbericht hatte das USDA dies nach Einschätzung internationaler Analysten noch nicht ausreichend berücksichtigt. Außerdem ist interessant, wie das USDA vor dem Hintergrund des Handelsdisputs zwischen den USA und China mit der Prognose für die US-Sojaexporte verfährt.

Markttendenz
Kurzfristig wird der Wasde an den Börsen die Preisrichtung vorgeben. Allerdings ist der Juli-Bericht in seinen Prognosen weit nachhaltiger zu werten als der Juni-Report. Darüber hinaus richtet sich das Augenmerk am Kassamarkt auf die nahende Ernte. Es herrscht Verunsicherung nicht nur über Mengen, sondern auch über Qualitäten. Entsprechend zurückhaltend zeigen sich Händler und Erfasser.
Am deutschen Kassamarkt dient der Wasde derweil Marktteilnehmern als „Ausrede“ dafür, bloß nichts tun zu müssen, wie manche Marktbeteiligte lästern. Denn im Vorfeld der Veröffentlichung wolle niemand aktiv werden. Andere Marktteilnehmer halten es für erwiesen an, dass der Wasde bullisch ausfallen wird in dem Sinne, dass eine Reihe von Prognosen heruntergeschraubt werden dürften. Doch: „Die Frage ist, ob der Bericht bullisch genug ausfällt für die Markterwartungen“, meinte ein Makler im Gespräch mit agrarzeitung.de. Sollten die Kürzungen nämlich nicht so prägnant ausfallen wie erwartet, würde „ein eigentlich bullischer Bericht schnell zum bärischen Ereignis“, so der Marktteilnehmer weiter.  

Geschäft mit der alten Ernte findet unterdessen allenfalls noch selten statt. Und die neue Ernte ist witterungsbedingt noch mit verstärkter Unsicherheit behaftet. Das Augenmerk vieler Marktteilnehmer richtet sich auf den ersten Gerstendrusch, der möglicherweise schon zum Wochenende hin stattfinden soll. Für B-Weizen franko Hamburg, Basis September, liegen die Prämien bei 1€/t über Matif-Dezember (Geld) gegen 2 €/t über Matif-Dezember (Brief).

Am frühen Nachmittag gibt der Frontmonat September für Mahlweizen an der Matif 0,25 €/t nach auf 180,75 €/t. Der Dezember-Kontrakt bewegt sich seitwärts bei 184,75 €/t. Der Frontmonat August für Raps verliert 0,50 /t und wird mit 350,75 €/t bewertet. In Chicago tendieren Weizen, Mais, Sojabohnen und –schrot freundlich, während Sojaöl nachgibt.

Im internationalen Markt sucht Ägypten Weizen per Tender, und auch Syrien will sich mit 200.000 t Weizen zur Lieferung zwischen August und Ende September eindecken. Allerdings hat das Syrien bereits Anfang des Jahres einen Tender storniert.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats