Märkte am Morgen: Getreide

Regen füllt die Scheuer


Krasse Unterschiede liegen zwischen Nordamerika und der EU. In den USA saufen Weizen und Mais förmlich ab, in Europa bringt der Regen Segen und hohe Ertragserwartungen.

Weizen: Die Weizen-Futures schließen zum Wochenende an der Chicagoer Börse (CBoT) gemischt. Der Juli-Weizen gibt leicht auf 4,65 US-$/bushel (umgerechnet 153 €/t) nach. Hingegen notiert Weizen in Kansas City und Minneapolis fester. Am frühen Montag morgen stehen die Weizenkurse an der CBoT im Plus. Die Furcht von Nässeschäden im Getreide nehmen zu, angesichts der ergiebigen Niederschläge. Insgesamt wird auch mit einem späteren Erntebeginn gerechnet, bis die Flächen abtrocknen.

An der Euronext in Paris endet der September-Weizen an einem ruhigen Handelstag unverändert gegenüber dem Vortag bei 173,75 €/t. Die Notierungen profitieren von den schlechten Wetterbedingungen in den USA. Der US-Wettermarkt fördert das Engagement von Investoren, sich mit Short-Positionen einzudecken In Europa sind die Ernteaussichten gut. Die russische Agentur IKAR meldet am Freitag, dass die russische Weizenernte auf 81 Mio. t steigen könnte. Das US-Landwirtschaftsministerium hat vor gut einer Woche in seinem Mai-Wasde die Produktion in Russland auf 77 Mio. t geschätzt. Für diese Woche sind in Russland Regenfälle angekündigt, die die Erträge sicher weiter steigen lassen. Dies dürfte die Kurse in Paris drücken. Auch in der EU, vornehmlich im Nordosten Deutschlands, hat der Regen Gutes getan. In Frankreich befinden sich 79 Prozent der Weizenbestände in einem guten bis exzellenten Zustand.

Reuters berichtet von Schiffsverladungen an deutschen Seehäfen in der vergangenen Woche über 50.000 t  für Südafrika, 40.000 t nach Tansania und 30.000 t nach Saudi-Arabien, alles Weizen.

Mais: Im Gegensatz zu Weizen lassen sich die Mais-Kurse nicht aus der Ruhe bringen und steigen am Freitag um 4,35 Cent auf 3,83 US-$/bushel (umgerechnet 135 €/t). Die Aussaatarbeiten im Maisgürtel der USA sind sehr im Rückstand wegen der widrigen Witterungsverhältnisse. Die Wetterprognosen sagen für die kommenden Tage weiter Regen im Mittleren Westen voraus. Bei einigen Assekuranzen laufen die Fristen für die Ernteversicherung aus. Deshalb dürften einige Flächen nicht bestellt werden oder die Farmer stellen kurzfristig auf Sojabohnen um. Für die bereits bestellten Maisbestände sieht es angesichts des Dauerregens nicht gut aus. Die Pflanzen sind unterentwickelt und schon jetzt ist mit Ertragseinbußen zu rechnen, je nachdem, was der Vegetationsverlauf noch bringt.

An der Euronext in Paris kommt es am zweiten Tag in Folge erneut zu Rückschlägen bei Mais. Der Juni-Kontrakt schließt am Freitag schwächer bei 162,75 €/t. Dies zeigt, dass europäischer Mais kaum Potenzial nach oben hat. Unvermindert versorgt die Ukraine die EU mit günstigen Einfuhren. Auf dem internationalen Markt kauft Taiwan 65.000 t Mais optionaler Herkunft aus Nord- oder Südamerika.

Euro: Der Euro hat am Freitag etwas nachgegeben. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1172 (Donnerstag: 1,1203) US-$ fest. Am Montagmorgen steht der Euro bei 1,1153 US-$. Erleichterung gibt es in der EU, nachdem am Freitagnacht US-Präsident Donald Trump bekannt gab, vorerst keine Auto-Zölle zu verhängen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gibt sich erleichtert, aber bedauert zugleich, dass die US-Seite Autoimporte nunmehr als Bedrohung der nationalen Sicherheit einstuft: "Wir halten diese Auffassung für nicht vereinbar mit dem geltenden Recht der WTO."

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