Märkte am Morgen: Getreide

Riesige Maisernte schockt die Bullen

Wie hier in Iowa rechnen die Farmer im Cornbelt mit der besten Maiserträgen aller Zeiten.
USDA
Wie hier in Iowa rechnen die Farmer im Cornbelt mit der besten Maiserträgen aller Zeiten.

Das USDA rechnet im Corn Belt mit Rekorderträgen. Analysten bleiben dennoch skeptisch. Bei den wachsenden Weizenbeständen lohnt ein Blick nach China.

Weizen: Nach der Veröffentlichung des Wasde gaben die Weizennotierungen in den USA deutlich nach. An der CBoT verlor der meistgehandelte Dezember-Kontrakt 12 Cent auf 5,07 US-$/bushel und notiert heute Morgen mit 5,08 US-$/bushel (160 €/t) etwas fester. In Kansas sackte der Frontmonat um 11,75 Cent auf 4,83 US-$/bushel ab und in Minneapolis Sommerweizen um 13,25 Cent auf 5,51 US-$/bushel. Auch an der Matif lösten die überraschenden Zahlen aus Washington heftige Reaktionen aus. Innerhalb weniger Minuten verlor der Dezember-Kontrakt 5,00 € und schloss nach anfänglichen Gewinnen bei 199,50 €/t mit einem Tagesverlust von 1,75 €.

Ernten in Australien und Argentinien vor dem Start

Die Experten des US-Agrarministeriums überraschten die Analysten am Mittwoch mit ihrer Prognose für die Bestände am Ende des Wirtschaftsjahres 2018/19. Statt des vom Markt erwarteten Abbaus auf 257,6 Mio. t sieht der Wasde eine Steigerung auf 261,3 Mio. t. Die Ernten in Russland (um 3,0 auf 71,0 Mio. t), Indien (um 2,7 auf 99,7 Mio. t) und Kasachstan (um 0,5 auf 15,0 Mio. t) wurden angehoben und konnten Korrekturen nach unten in Kanada (1,0 auf 31,5 Mio. t) und Australien (2,0 auf 20,0 Mio. t) mehr als ausgleichen. Dort rechnet die australische Agrarbehörde Abares allerdings mit einer Ernte von nur 19,1 Mio. t. Unverändert ließ das USDA die Prognose für Argentinien (19,5 Mio. t), wo die Ernte in wenigen Wochen beginnt. Große Korrekturen bei der Produktionsmenge in diesem Wirtschaftsjahr sind nicht mehr zu erwarten, wenn dann allerdings eher nach unten.

Ohne Chinas Bestände ist Weizen knapp

Die Endbestände wirken auf den ersten Blick komfortabel. Die Stocks-to-use-Ratio liegt bei 35 Prozent. Das USDA weist aber darauf hin, dass mehr als die Hälfte des Weizens (135,16 Mio. t) in China lagert und dem Weltmarkt nicht zur Verfügung steht. In einer Bilanz ohne die Volksrepublik ergibt sich eine Stocks-to-use-Ratio von nur 20 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit 2007/08, warnen die Experten in Washington. Das höhere Preisniveau werde die Exportnationen zu Verkäufen animieren und dort für einen Abbau der Vorräte sorgen.

Frankreich kämpft um Nordafrika

Der Handel an der Matif hatte am Mittwoch zunächst von positiven Nachrichten aus Frankreich profitiert. FranceAgriMer erwartet, dass die Drittlandexporte um 400.000 t auf 8,5 Mio. t steigen könnten. Vor allem in Nordafrika hofft Frankreich Marktanteile von Russland zurückzuerobern. Der französische Weizenabsatz innerhalb der EU könnte dagegen um 1,2 auf 8,1 Mio. t sinken, da Spanien und Portugal nach guten Ernten weniger Importbedarf haben. Die Weichweizenbestände sollen bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2018/19 auf 2,5 Mio. t sinken, das wäre im Jahresvergleich ein Abbau von knapp 500.000 t und die kleinste Menge seit fünf Jahren. Die Gerstenexporte in Drittstaaten sollen von 2,5 auf 3,0 Mio. t steigen.

Mais: Nach der Veröffentlichung des Wasde stürzten die Maisnotierungen ab. Der Dezember schloss in Chicago mit einem Minus von 14,25 Cent bei 3,53 US-$/bushel und notiert heute Morgen bei 3,54 US-$/bushel (120 €/t) leicht im Plus. In den USA erwartet das USDA Rekorderträge in den wichtigen Bundesstaaten Illinois, Iowa, Nebraska, Indiana, Ohio and South Dakota. Sollten sich die Erwartungen erfüllen, könnten die USA mit 376 Mio. t die zweitgrößte Maisernte aller Zeiten einfahren. Gegenüber dem August-Bericht wurde die Menge um 6,1 Mio. t angehoben. Dadurch wächst die Weltproduktion um 7 auf 1.069 Mio. t. Der Markt in den USA zeigte sich von der deutlichen Anhebung der Maiserträge von 178,4 auf 181,3 bpa (11,38 t/ha) überrascht. Analysten weisen aber darauf hin, dass die Ernte noch nicht eingebracht ist und weiter Wetterrisiken bestehen. Sorgen bereitet der Hurrikan 'Florence', der am frühen Freitagmorgen die Ostküste erreichen wird. Der Sturm könnte auch im Corn Belt weitere Niederschläge bringen. Dort sind die Böden nach einem nassen Sommer bereits wassergesättigt, sodass Überschwemmungen drohen.

Die weltweiten Endbestände sieht das USDA nun bei 157 Mio. t , das sind 1,4 Mio. t mehr als im August. Im Jahresvergleich schrumpfen die Lagerbestände um 38 Mio. t; vor allem, weil China seine Läger räumt (minus 21 Mio. t). Auch in der EU wird ein Bestandsabbau von 9,5 auf 5,8 Mio. t erwartet. Den Importbedarf der EU sieht das USDA mit 19,5 Mio. t um 1,5 Mio. t höher als im August-Wasde.

Euro/US-Dollar: Der Euro konnte sich gestern gut behaupten und sich wieder klar über der Marke von 1,1600 US-$ etablieren. Heute Morgen notiert der Euro bei 1,1635 US-$.

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