Märkte am Morgen: Ölsaaten

Trump-Tweet elektrisiert Ölsaatenmärkte


US-Präsident Donald Trump schlägt versöhnliche Töne im Handelsstreit mit China an. Auf Twitter schreibt er, die Verhandlungen mit China seien "gut im Fluss". Sojabohnen legen zu. Der Ölpreis sinkt rapide.

Sojakomplex: Trump berichtet von einem "sehr guten" Telefonat mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Demnach wollen sich beide am Rande des nächsten Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) Ende des Monats in Argentinien treffen. Die positive Meldung beflügelt die Chicagoer Börse. Die Januar-Bohne springt um 30,25 US-Cent auf 8,82 US-$/bushel (umgerechnet 284 €/t). Schrot verteuert sich ebenfalls stark um 7 auf 313 US-$/short tons (umgerechnet 303 €/t).

Nach der Aufregung um den Trump-Tweet am späten Donnerstagvormittag kehrte an der Chicago Board of Trade (CBoT) wieder Ernüchterung ein. Die Veröffentlichung der wöchentlichen Sojabohnenexporte des US-Landiwrtschaftsministeriums (USDA) waren eine einzige Enttäuschung. Dennoch wollten sich Händler nicht zu sehr von den schlechten Exportzahlen herunterziehen lassen. Die US-Sojabohnenexporte in der Vorwoche lagen bei 455.800 t und rangierten am unteren Ende der Erwartungen.

Am heutigen Freitag will das USDA seinen monatlichen Crush-Report von US-Sojabohnen für September vorlegen. Händler erwarten, dass die Verarbeitung von Sojabohnen rund 171 Mio. bushel im September betragen dürfte und berufen sich auf die Prognose der nationalen Vereinigung der Ölsaatenverarbeiter.

Raps: An der ICE-Plattform legte kanadischer Canola ebenfalls eine Bergfahrt hin. Die versöhnlichen Aussagen von Trump schwappten bis nach Winnipeg. Doch werden sie auch als wahltaktisches Manöver des  US-Präsidenten vor den Kongresswahlen am 6. November gesehen. Der Canola-Kontrakt für November steigt um 7,50 auf 482,50 kan.-$/t.

Händler relativierten jedoch die ganze Aufregung und sagten, so viele neue Informationen würde der Tweet gar nicht beinhalten. Vielmehr wollte Trump vor den Zwischenwahlen die Stimmen der Republikaner für sich gewinnen. Gerade die US-Farmer seien von dem Handelskrieg aufgrund der fehlenden US-Sojabohnenexporte nach China betroffen. Am 6. Juli hat China die Einfuhrsteuer für US-amerikanische Bohnen erhoben, in Reaktion auf die US-Strafzölle auf Aluminium und Stahl aus China. Seitdem vermeiden chinesische Ölmühlen den Kauf von US-Bohnen, die normalerweise 35 bis 40 Prozent der chinesischen Nachfrage ausmachen.  Von der aufgewühlten Stimmung profitiert auch Raps an der Pariser Börse Euronext. Der Februar verbessert sich als neuer Frontmonat am Donnerstag um 1,75 auf 377,50 US-$/t.

Palmöl: Die Palmöl-Futures in Malaysia fallen am Donnerstag auf ein neues Dreijahrestief. Die Benchmarke von Palmöl zur Lieferung im Januar rutscht auf 2.144 Ringitt/t. Am Freitagmorgen setzt sich der ungebremste Fall fort und bis zum Mittag sinkt der Kontrakt auf 2.115 Ringitt/t (umgerechnet 507,07 US-$/t). Weltweit drücken die hohen Palmölbestände auf die Notierungen.

Rohöl: Die Ölpreise haben am Donnerstag an die Verluste vom Vortag angeknüpft und sind weiter gesunken. Die Nordseesorte Brent kostete zeitweise weniger als 73 US-$/Barrel (159 Liter), das sind 46 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für die US- Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 39 Cent auf 64,92 US-$/Barrel.

Marktbeobachter begründen den Preisrückgang mit dem sechsten wöchentlichen Anstieg der Lagerbestände an Rohöl in Folge in den USA. Für Entspannung sorgt die Spekulation, dass die US-Sanktionen gegen das Opec-Land Iran vielleicht doch nicht so hart durchschlagen wie bisher angenommen. Iranische Öllieferungen nach Indien und Südkorea könnten ein Stück weit von den Sanktionen ausgenommen werden. Zudem kündigten Russland und Saudi-Arabien an, mögliche Ausfälle auszugleichen.

Im Oktober waren die Ölpreise von 86 US-$/Barrel um mehr als 10 Prozent gefallen.

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