Malzindustrie

Ungewisse Versorgung mit Braugerste

Die Qualität von Sommerbraugerste ist in diesem Jahr unterschiedlich ausgefallen. Die Malzindustrie muss Zugeständnisse machen. 

In Europa fehlen im laufenden Wirtschaftsjahr 2017/18 rund 200.000 bis 300.000 t Braugerste. Dieses Defizit könnte mit Winterbraugerste ausgeglichen werden. Dadurch würde in Europa ein Überschuss an braufähiger Gerste von 500.000 bis 700.000 t entstehen. Die Brauer warten derzeit mit weiteren Käufen ab. Mindestens 25 bis 40 Prozent der Mengen müssen aber laut Marktteilnehmern noch gedeckt werden. 

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Die Preise in Europa ziehen aktuell an. Die Unsicherheiten über die Qualitätsprobleme unterstützen. Fob Dänemark werden mittlerweile 193 €/t für Januar /März genannt. Großbritannien nennt einen Preis von 195 €/t. Er ist aber eher nominell zu verstehen. Die Eiweißwerte der Gerste sind zu hoch und es handelt sich häufig um zurückgehandelte Ware. Franko Oberrhein sind Kurse von 228 €/t aufgerufen. In Süddeutschland werden bis zu 233 €/t gezahlt. Hoffnung legen die Brauer auf die Ernte 2018. Die Anbauflächen in einigen Ländern Nordeuropas sollen aufgrund der schwierigen Aussaatbedingungen in diesem Herbst ausgedehnt werden. Die Rede ist von einer Flächenausdehnung in Höhe von 40.000 bis 150.000 ha in Schweden und 100.000 ha in Dänemark. Ebenfalls in Polen und im Baltikum werden Anbauausdehnungen erwartet. Auch die Landwirte in Großbritannien werden weiter auf Sommerungen setzen, um den Ackerfuchsschwanz in den Griff zu bekommen. Damit könnten die Preise im Vorgriff auf ein höheres Angebot aus der kommenden Ernte möglicherweise schon für die Gerste aus 2017 nachgeben. Die Preise ziehen aber ich hier an: Fob Dänemark im Oktober 2018 liegen sie bei 180 €/t

Die Qualitäten aus Frankreich bleiben im Großen und Ganzen gut. Auch wenn der Proteingehalt regional als hoch bezeichnet wird, sind 60 Prozent der Sommergerste als Braugerste einzusetzen. Die Exportmöglichkeiten an Sommergerste bleiben bei rund 1 Mio. t. Der Export an Winterbraugerste könnte rund 2 Mio. t betragen. Aus Großbritannien dagegen wird von einem ungewissen Anteil an braufähiger Gerste speziell in England und Wales gesprochen. Die Ernte ist von sehr unterschiedlichen Qualitäten wie hohem Proteingehalt, Auswuchs und verdecktem Auswuchs geprägt. In Schottland dagegen wird von einer guten Ernte mit 10 bis 10 Prozent Eiweiß berichtet. Die Ware wurde zwar auch feucht eingefahren, von weiteren größeren Qualitätsverlusten war aber keine Rede. Dennoch wird beim Export von der grünen Insel statt der erwarteten 500.000 bis 600.000 t in diesem Jahr nur mit einem Überschuss von 100.000 bis 200.000 t gerechnet. In Dänemark ist von einer guten Ernte die Rede. 

Auch wenn die Fläche reduziert wurde, kennzeichnet ein Überschuss von 950.000 t die Marktlage. Mindestens 50 Prozent sind bereits verkauft. Die Ernte in Schweden wird als gut bezeichnet, wenn auch drei Wochen verspätet eingebracht. Die Erträge in Finnland in den Hauptanbaugebieten sind gut ausgefallen. Probleme mit den Qualitäten gab es aufgrund des vielen Regens. Die Ernte zog sich teilweise bis in den Oktober hin.

Die deutsche Sommergerstenernte ist von hohen Proteinwerten gekennzeichnet. In manchen Anbauregionen liegen die Werte bei mehr als 50 Prozent der Menge über dem geforderten Bereich der Brauwirtschaft. Die Branche reagiert laut Braugersten-Gemeinschaft, München, mit Zugeständnissen im Eiweißbereich und auf die teilweise gravierenden Mängel der Gerste, die sich oft aber erst nach der Lagerung zeigen. So könnte in Deutschland rein rechnerisch bei einem Proteingehalt von 11,5 Prozent Protein nur von einem Anteil an Sommerbraugerste von 550.000 bis 600.000 t ausgegangen werden. Mit 12 Prozent Protein könnte der Anteil auf 800.000 bis 850.000 t wachsen. Entscheidend ist, was noch aus den Lägern kommt. Die Qualität der Gerste in Tschechien ist bei Vollgerste und Protein heterogener als in den vergangenen Jahren. Hohe Eiweißwerte zwischen 9 und 16 Prozent kennzeichnen die Ernte. Auch wenn die Versorgungslage als ausgeglichen bezeichnet wird, fließt Ware aus der Ukraine nach Tschechien. Ähnliche Qualitätsergebnisse gibt es aus der Slowakei. Die Ernte konnte trocken eingefahren werden. Die physische Erscheinung des Getreides wird als gut bezeichnet. Die Erntebedingungen für die Sommergerste in Polen waren eher schwierig. Nur 30 Prozent der Ernte sind für die Brauindustrie geeignet.

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