Mittagsmarkt

Mühlen in Sandwich-Position


Foto: az

Wer in der Wertschöpfungskette zwischen bullischen Abgebern und sparsamen Kunden steckt, hat es derzeit schwer. Importe tragen zur Entspannung bei.

Weiter runter geht es mit den Kursen an der Matif am Mittwochmittag, wenn auch zunächst in kleinen Schritten. Der Mahlweizenkontrakt für September verlor bis Mittwochmittag rund 0,50 €/t auf 205 €/t, der Dezember-Future gab zu dem Zeitpunkt ebenfalls 0,50 €/t nach auf 207,50 €/t. Bis zum späten Nachmittag gab der Frontkontrakt weitere 2 €/t ab auf 203 €/t, der Dezember fiel auf 206 €/t. Die Pariser Börse muss nach dem Wasde-Knall zum Wochenende also erst noch ihren Boden finden.

Der deutsche Kassamarkt ist der Korrektur an der Börse allerdings nicht im vollen Umfang gefolgt – auch wenn das manch einem Marktteilnehmer gerade recht gewesen wäre. Mehlkunden sind nach Informationen aus dem Markt vermehrt bei ihren Lieferanten aus der Mühlenwirtschaft vorstellig geworden, seit die Matif binnen weniger Tage rund 10 €/t verloren hat, reagieren aber offenbar mit Unverständnis auf das weiterhin robuste Preisniveau am Kassamarkt. So gesehen finden sich die Mühlen in einer Art Sandwich-Position wieder: Während der feste physische Markt in Deutschland preislich kaum Luft nach unten lässt in der Beschaffung, zeigen die Kunden kaum Bereitschaft, dem Rechnung zu tragen.

Schwankungsbreite 8 Euro an einem Tag

Aus Käufersicht also ein schwieriger Markt. Passend dazu berichten Marktteilnehmer aus dem Nordosten, dass Briefkurse teilweise für die gleiche Ware am gleichen Tag eine Schwankungsbreite von 8 €/t aufweisen. Zwischen Geld und Brief klaffe bei Standardweizen eine Lücke von 5 €/t, gehe man an Spezialitäten, werde sie nur weiter. Für B-Weizen, franko Hamburg, Basis September, soll die Prämie heute bei 6 €/t über dem Matif-Dezember-Termin liegen, zuzüglich 1,50 €/t Lagergeld.

Während es schwierig ist, im Inland Ware zu ziehen, bedienen sich Mischer und Mühlen, die die Möglichkeit dazu haben, mit Importware aus Osteuropa per Ganzzug oder nach Brake. Auf diesem Wege hätte sich manch eine Mühle oder ein Kraftfutterwerk vorne zumindest gut eingedeckt, berichten Makler im Raum Westfalen. Das würde manch ein Landwirt „ausblenden“, der in Reaktion auf steigende Preise weiter „den Kopf in den Nacken legt“, umschrieb ein Teilnehmer die Lage. Doch flächendeckend trifft dies offenbar nicht zu. Bei denjenigen Akteuren, die schwerer Zugang zu Importen haben, werden die Termine 9-12, 10-12 und auch 1-3 noch zu besprechen sein, heißt es weiter.

Markttendenz

Während der physische Markt in Deutschland preislich schwer zu greifen ist, stellt sich die Frage nach einer Bodenbildung an den Börsen. Viel tiefer runter als 195 €/t kann Weizen an der Matif nicht gehen, erwarten Teilnehmer aus dem physischen Geschäft. Analysten ziehen den Deckel teilweise 5 €/t höher ein.  

Welche Rolle Polen als Exporteur nach Deutschland spielt, beurteilen Marktteilnehmer regional unterschiedlich. Während im Osten von „gutem Geschäft mit polnischem Weizen die Rede ist“, berichten Marktteilnehmer weiter nordwestlich, dass es schwierig sei, Weizen, Mais und Gerste aus Polen zu beziehen. Sicher sind sich Marktkenner, dass französischer Weizen als Abmischqualität verstärkt seinen Weg nach Deutschland finden wird.

Unterdessen bewegen sich auch die Rapssaat-Kurse an der Pariser Börse leicht abwärts. Der Frontmonat November verlor bis zum Nachmittag 1 €/t gegenüber Dienstag und lag bei 380,50 €/t. In Chicago tendieren Weizen, Mais und der Sojakomplex ins Minus.

 

 

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