Ausblick Ölsaaten

Soja-Markt ist übervoll


Brasilien profitiert vom Streit zwischen den USA und China.
Bild: Pixabay / charlesricardo
Brasilien profitiert vom Streit zwischen den USA und China.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt dafür, dass sich auf dem Sojamarkt die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weiter öffnet. Nach einer Rekordernte in den USA ist die Welt eigentlich komfortabel versorgt.

Unter normalen Umständen wäre der Weltmarktpreis gesunken und die Farmer in Brasilien hätten den Anbau eingeschränkt. Das Gegenteil ist eingetreten. Wegen der Strafzölle auf Sojabohnen aus den USA deckt die Volksrepublik ihren Bedarf fast vollständig in Brasilien. Der schwache Real und die hohen Prämien auf die Kurse an der CBoT in Chicago machen den Anbau in Brasilien attraktiv, sodass die Fläche nach einer Rekordernte in diesem Jahr noch einmal ausgedehnt wurde.

Die Folgen des Handelsstreits sorgen schon jetzt für Verwerfungen in der globalen Bilanz, doch es könnte noch schlimmer kommen. Das US-Agrarministerium (USDA) erwartet, dass die Endbestände 2018/19 auf 116 Mio. t wachsen – ein Plus von 34 Mio. t binnen vier Jahren.

Leidtragende des Handelsstreits mit China sind allerdings die Sojafarmer in den USA. Um deren Verluste auszugleichen, verteilt die US-Regierung 7,3 Mrd. US-$ Subventionen. Präsident Donald Trump sichert sich so die Gefolgschaft einer wichtigen Wählergruppe, verschlimmert aber die Lage auf dem Sojamarkt. Falls die US-Farmer bei ihrer Anbauentscheidung im Frühjahr erneute Hilfsgelder einpreisen, könnten sie sich für die Bohne und gegen Mais oder Sommerweizen entscheiden. Dann bliebe der internationale Sojamarkt übervoll. Für den Rapsanbau in Deutschland sind das keine guten Aussichten, weil der Rapspreis am Sojapreis hängt.

Kaum abzuschätzen ist, wie sich der Handelsstreit zwischen den USA und China 2019 weiter entwickelt. Viele Beobachter befürchten eine langfristige Konfrontation. Die Sojabohne ist das mit Abstand schmerzhafteste Druckmittel, über das China gegenüber den USA verfügt. Deswegen wird China diesen Trumpf wohl in der Hand behalten wollen und die Strafzölle nicht komplett aufheben. Wahrscheinlicher ist, dass die Volksrepublik – wie in dieser Woche – immer mal kleinere Mengen kauft, um ihren guten Willen zu demonstrieren.

Wie sehr die USA den chinesischen Boykott spüren, zeigt die Exportbilanz des laufenden Wirtschaftsjahres. Bis Ende November kaufte die Volksrepublik in den USA 584.000 t Sojabohnen, das waren 20,1 Mio. t weniger als im Jahr zuvor.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats