Rabobank-Analyse

Europa ist der große ASP-Gewinner

China benötigt nicht nur Rüssel und Schwänze, sondern auch hochwertigeres Schweinefleisch.
Bild: Pixabay / Hobbyfoto
China benötigt nicht nur Rüssel und Schwänze, sondern auch hochwertigeres Schweinefleisch.

Die EU könnte in diesem Jahr so viel Schweinefleisch nach China liefern wie nie zuvor. 2020 sind die Aussichten für die europäischen Produzenten noch besser, meint die Rabobank. Rind- und Geflügelfleisch stärker gefragt

Justin Sherrard, globaler Stratege - Animal Protein, RaboResearch Food & Agribusiness skizziert im neuen Bericht „African Swine Fever: A Global Update“, dass der Wiederaufbau für die am stärksten betroffenen Länder mindestens fünf Jahre dauern wird und die Afrikanische Schweinepest (ASP) bis heute ein Risiko darstellt. Die Rabobank rechnet 2019 in der Volksrepublik mit Produktionsverlusten von 25 Prozent und in Vietnam mit Verlusten von 15 bis 20 Prozent. Der Rückgang der Schweinefleischproduktion hat sich im ersten Halbjahr zwar verlangsamt, ist aber noch nicht gestoppt. „Das Ausmaß des für 2019 in China erwarteten Rückgangs ist beispiellos - und wird 2020 zu einer noch geringeren Schweinefleischproduktion führen“, kommentiert Sherrard die Situation.

Preise in China auf Rekordniveau

Im August sind die Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch in China aufgrund des knappen Angebotes auf ein Rekordniveau gestiegen, haben aber nach Ansicht der Rabobank-Analysten ihren Höchststand noch nicht erreicht. Trotz der hohen Preise für Schlachtschweine bewegen sich die Ferkelpreise auf einem niedrigen Niveau, weil viele Mastbetriebe wegen des Infektionsrisikos zögern Tiere aufzustallen. Die Bestände an gefrorenem Schweinefleisch sind in China nach wie vor hoch, doch angesichts der hohen Preise für frische Ware sinken sie stetig. Dadurch steigt der Importbedarf.

Hohe Zölle bremsen US-Exporte

Die EU ist der wichtigste Lieferant auf dem chinesischen Markt. Trotz relativ hoher Preise für europäisches Schweinefleisch rechnet die Rabobank damit, dass die EU den bisherigen Exportrekord von mehr als 3 Mio. t aus dem Jahr 2016 übertreffen wird. 2020 könnte die Menge sogar auf 4 Mio. t steigen, das wäre fast doppelt so viel wie im Jahr 2018. Die USA haben im Prinzip die besten Voraussetzungen für Exporte nach China, leiden aber unter den im Handelsstreit verhängten Einfuhrzöllen. Dennoch war es den USA gelungen die Ausfuhren von Januar bis Juni auf mehr als 30.000 t pro Monat zu verdreifachen. Auch die politischen Beziehungen zwischen China und Kanada sind schwierig und beeinflussen das Geschäft negativ. Brasilien könnte mehr Schweinefleisch nach China liefern. Doch dazu müssten zunächst die zur Verfügung stehenden Mengen steigen.Im Juni waren Spanien, Kanada und Deutschland mit jeweils rund 40.000 t die wichtigsten Lieferanten auf dem chinesischen Markt. Brasilien folgte hinter den USA, den Niederlanden und Dänemark mit knapp 20.000 t auf Platz 7. Weil die Steigerung der Schweinefleischimporte unter den aktuellen Bedingungen an Grenzen stößt, kauft China andere Fleischarten auf dem Weltmarkt ein. Um 50 Prozent wuchsen im ersten Halbjahr die Importe von Rindfleisch. Auch beim Geflügelfleisch stiegen die Mengen, wovon vor allem die EU und Thailand profitierten. Doch auch Russland habe damit begonnen, Geflügelfleisch nach China zu liefern.

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