Russland

Exportmotor kommt ins Laufen

Hafen in St. Petersburg.
Foto: Picture alliance
Hafen in St. Petersburg.
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Russland exportiert Weizen in die Türkei und den Iran. Trockenheit behindert die Winteraussaat. Die Weizenpreise bleiben stabil.

Mit dem weiteren Fortschritt der Weizen-Ernte in Russland schwindet die Hoffnung auf eine Realisierung der optimistischen Prognose seitens des Moskauer Landwirtschaftsministeriums, die aktuell noch immer bei 81 Mio.t verharrt. Nach Angaben vom 31. August summiert sich die Produktion nach Bunkergewicht derzeit auf 65,5 Mio.t Weizen auf einer Fläche von 21,8 Mio. t. Dadurch ergibt sich ein durchschnittlicher laufender Ertrag von rund 3 t/ha. Gemessen am Ausgangsareal beträgt der Fortschritt der Erntekampagne knapp über 75 Prozent. Die verbleibenden Flächen liegen mehrheitlich am Ural und in Sibirien, wo die Erträge gewöhnlich deutlich unter dem landesweiten Schnitt liegen. Das Agrarministerium hat zuletzt die Veröffentlichung detaillierter Ertragszahlen für die einzelnen Regionen ausgesetzt, was eine genauere Prognose erschwert. 

 

Im vergangenen Jahr erreichte die russische Weizen-Produktion zum gleichen Stichtag bereits 72,5 Mio.t bei einem Fortschritt von nur 73,6 Prozent. Damit ergibt sich ein Ernterückstand von 7,0 Mio. t. Russlands Statistikamt hat nach einer erneuten Prüfung der Aussaatflächen der Saison 20/21 seine Berechnungen, die zuletzt Ende Juli veröffentlicht wurden, beibehalten. Demnach liegt die Weizen-Fläche für die laufende Ernte bei insgesamt 28,7 Mio ha, das sind etwa 2,4 Prozent weniger als 2020.

Der deutliche Rückgang beim Winterweizen wurde demnach nur teilweise von einer Ausweitung der Fläche des weniger ergiebigen Sommerweizen kompensiert.Die Statistikbehörde Rosstat wurde zuletzt vom russischen Verband der Getreideexporteure und aus dem Moskauer Agrarressort dafür kritisiert, die Fläche in der letzten Veröffentlichung zu niedrig angesetzt zu haben, was nach Ansicht einiger Experten Preisspekulationen auf den Weizenmärkten auslöste und die jüngste Wasde-Prognose des US-Agrarministeriums negativ beeinflusst habe. Deshalb erklärte sich die Statistikbehörde zu einer erneuten Prüfung bereit.

Schwierige Neuausaat

Neben Problemen bei der laufenden Ernte, kämpfen russische Landwirte mit widrigen Bedingungen bei der Aussaat von Wintergetreide. Nach der Region Orenburg melden nun Bauern rund um die Region Woronesch, dass die Aussaat von Winterweizen wegen Trockenheit zeitlich verspätet beginnen werde. Bislang betrifft das allerdings nicht die wichtigsten Winterweizen-Gebiete im Süden des Landes. Die Winteraussaat erreicht derzeit 2,4 Mio. t ha gegenüber 3,4 Mio. ha vor einem Jahr.

Exportmotor startet

Vor dem Hintergrund dieser Widrigkeiten läuft der russische Exportmotor, wenn auch etwas verspätet, an. Nach Angaben des Agrarlogistikers Rusagrotrans könnten die Weizenexporte im August mit knapp 4,9 Mio.t deutlich besser gewesen sein, als von Analysten und Branchenexperten erwartet wurde. Grund dafür ist eine stabile Nachfrage aus der Türkei, dem Iran und afrikanischen Abnehmern wie Nigeria. So haben iranische Getreideeinkäufer zuletzt 240.000t russischen zu fob-Preisen um 300 bis 305 US-$/t gebucht. Die Preise am Schwarzen Meer haben sich derweil stabilisiert. Die Agrarberatung Refintiv Agriculture meldete zuletzt für den Hafen von Noworossijsk einen Preis von etwa 295 US-$/t. Dabei hat sich der Preis in den vergangenen fünf Tagen kaum verändert.

 

 

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