Ausblick Schweinefleisch

China ist die große Unbekannte


Schweinefleisch aus der EU könnte die Angebotslücke in der Volksrepublik schließen. Nach einem Jahr mit niedrigen Preisen für Schlachtschweine und Ferkel wächst die Hoffnung auf eine Trendwende.

Das geringere Angebot und die kleineren Schlachtzahlen in Deutschland brachten den Erzeugern bisher keine höheren Erlöse. Die Ferkelpreise zogen in den vergangenen Wochen allenfalls auf niedrigem Niveau leicht an. Ein Grund für den Stillstand ist das Angebot in der Europäischen Union, das gegen den deutschen Trend wächst. Die EU-Kommission rechnet in diesem Jahr mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent bei Schweinefleisch, für den vor allem Spanien und Polen sorgen. Für 2019 wird mit einem Rückgang der EU-Produktion um 1 Prozent gerechnet. Ein Mangel wird sich dadurch nicht einstellen, denn auch der Konsum, der in diesem Jahr noch um 1,2 Prozent steigt, soll um 0,7 Prozent kleiner ausfallen.

Eingetrübt sind die Perspektiven für den Export. Nach einem Plus von voraussichtlich 2,5 Prozent in diesem Jahr sollen die EU-Ausfuhren nach 2019 um 5 Prozent schrumpfen; somit dürfte das Spitzenjahr 2016 eine Ausnahme bleiben (siehe Grafik).
Schweinefleisch aus der EU könnte die Angebotslücke in der Volksrepublik schließen.
Bild: az
Schweinefleisch aus der EU könnte die Angebotslücke in der Volksrepublik schließen.


Dabei fehlt dieser Prognose von September ein wichtiger Faktor: Die in den vergangenen Monaten in China grassierende Afrikanischen Schweinepest (ASP) könnte 2019 den Weltmarkt kräftig in Bewegung versetzen. In der Volksrepublik gelingt es bisher nicht, weitere ASP-Ausbrüche zu verhindern. Die Zahl der gekeulten Schweine ist bisher zwar noch nicht marktrelevant. Doch die von den Behörden angeordneten Maßnahmen wie Transportbeschränkungen könnten die Produktion stark begrenzen. Schon jetzt ziehen die Schweinepreise an. Asiatische Analysten halten es für möglich, dass China 2018 bis zu 4 Mio. t Schweinefleisch einführen muss, das wäre gegenüber 2017 ein Anstieg um 60 Prozent.

Seit Anfang 2016 schwanken die monatlichen Importe Chinas stark zwischen 70.000 t und 200.000 t Schweinefleisch. Immer dann, wenn sich der Preisabstand zwischen dem chinesischen und dem Weltmarkt vergrößerte, stiegen kurz darauf die Importe. Sobald sich die Schere schloss, brach die chinesische Nachfrage wieder ein. Sollten die Preise weiter anziehen und China wieder größere Mengen importieren, würden vor allem Brasilien, Kanada und die EU liefern. US-Schweinefleisch hat es wegen der chinesischen Strafzölle von 50 Prozent schwer.

Sollten sich die Hoffnungen auf ein Anziehen des Chinageschäfts nicht erfüllen, sind die Aussichten für die EU düster. Einziger Lichtblick ist das im Februar in Kraft tretende Handelsabkommen mit Japan. Auf dem Weltmarkt wird es schwer, mit Schweinefleisch aus den USA, Kanada und Brasilien zu konkurrieren, das derzeit für 0,93 bis 1,06 US-$/kg SG produziert wird. Der durchschnittliche EU-Preis liegt mit 1,36 €/kg um mehr als ein Drittel darüber.

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