Schweinemäster

ISN kürt Westfleisch zum Hauspreiskönig


Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands macht ihrem Ärger über die großen Schlachter plakativ Luft.
ISN
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands macht ihrem Ärger über die großen Schlachter plakativ Luft.

In Münster trifft sich die Veredelungsbranche zu den Agrarunternehmertagen. Kontrovers diskutiert wird dort die Preispolitik der großen Schlachtunternehmen.

Auf die Anhebung des Vereinigungspreises der VEZG reagiert die Schlachtbranche mit Hauspreisen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch hatte ihre Notierung am Mittwoch um 4 Cent auf 1,40 €/kg Schlachtgewicht erhöht. Heute gaben die vier großen Schlachtunternehmen Tönnies, Vion, Westfleisch und Danish Crown bekannt, weiter den bisherigen Preis zahlen zu wollen. Bei den Agrarunternehmertagen sind drei der vier Unternehmen mit Ständen vertreten. Sie bekommen dort den Unmut der Mäster direkt zu spüren.

Beobachter vermuten, dass die VEZG ihre erste Preisanpassung seit rund vier Monaten bewusst in dieser Woche vornahm, weil man hoffte, dass die Schlachtunternehmen mit Blick auf die Messe in Münster dann auf Hauspreise verzichten würden. Falls es eine solche Strategie gegeben haben sollte, ist sie gescheitert.

ISN: Es wäre mehr drin gewesen

Auf Seiten der Erzeuger ist der Ärger über die Hauspreise groß. Die Interessengemeinschaft der Schweinhalter Deutschlands (ISN) hielt die Anhebung um vier Cent ohnehin für zu knapp. „Aus Sicht der Schweinehalter wäre mehr drin gewesen“, hieß es am Mittwoch in einem Marktkommentar aus Damme. Die Schlachtunternehmen begründen die Hauspreise mit einem schleppenden Absatzgeschäft für Schweinefleisch. „Lieber weniger schlachten als mehr bezahlen“, ist derzeit die Losung der Marktführer. Die Mäster haben nur begrenzt die Möglichkeit, die Hauspreis-Unternehmen zu bestrafen und ihre Tiere bei anderen Unternehmen zu vermarkten, denn die „Großen Vier“ schlachten knapp zwei Drittel aller Schweine in Deutschland.

Hitzige Debatten erwartet

Als "Rädelsführer" der Hauspreise hat die ISN das genossenschaftliche Schlachtunternehmen Westfleisch identifiziert. Die Münsteraner hätten zuerst durchblicken lassen, das neue Preisniveau nicht zu akzeptieren. Auch die Vion hätte daraufhin nicht das neue Notierungsniveau akzeptiert. Auch Tönnies soll laut ISN ab dem morgigen Freitag lediglich einen Hauspreis zahlen. Hauspreise zu verkündigen, während sich die eigenen Einkaufsabteilungen die Finger auf der Suche nach Schweinen wund telefonierten, sei nicht nachvollziehbar, so die ISN.


An den Ständen auf den Agrarunternehmertagen rechnen die Mitarbeiter der Schlachtunternehmen mit hitzigen Debatten. „Schöne Gespräche werden das nicht“, erwartet der Einkäufer eines Schlachtunternehmens im Gespräch mit agrarzeitung.de.

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