Wasde-Report

Abstriche an den Mais- und Weizenernten


Weil die US-Maisernte nicht so groß wird wie erwartet, bleibt Preisdruck an der Börse in Chicago aus. Soja bietet jedoch ein ideales Futter für die Bären. Am Weizenmarkt spielen Australien und Sibirien eine größere Rolle.

Traditionell liegen mit dem Oktober-Wasde des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) für die USA exaktere Schätzungen zu den Flächen, den Hektarerträgen und auch zu den Vorräten Stand Ende September vor. Größere Veränderungen ergeben sich dadurch aktuell für die Maisbilanzen. Hier rechnet das USDA In seinem am Donnerstag veröffentlichten Report mit einer etwas kleineren US-Maisernte als bisher von 375 Mio. t, aber mit wesentlich höheren Anfangsbeständen für die Vermarktungssaison 2018/19. Diese Kombination hat zur Folge, dass trotz besserer Exportaussichten für US-Mais die Endbestände im Land mit 46 Mio. t höher ausfallen dürften als vor einem Monat geschätzt.

Maiserzeugung wesentlich kleiner als der Verbrauch

Im mehrjährigen Vergleich schrumpfen sie jedoch. Auch global wird es zu einem deutlichen Abbau der bislang üppigen Vorräte kommen, wenngleich ebenfalls nicht in ganz so starkem Ausmaß wie noch im September erwartet. Das USDA rechnet nach wie vor mit einer globalen Maisernte von rund 1,07 Mrd. t, denen aber 2018/19 ein um rund 39 Mio. t höherer Verbrauch gegenüber steht. Deswegen gehen die Endbestände um diese Menge zurück auf etwa 159 Mio. t Mais. Anders als bei Weizen ist der globale Maismarkt in dieser Saison mit einem Verhältnis der Endbestände zum Verbrauch von etwas mehr als 14 Prozent alles andere als üppig versorgt.

Vermarktungssaison beginnt mit hohen Sojabeständen

Drückend sind dagegen die Vorräte beim Soja. Hier hat das USDA zwar auch geringfügige Abstriche an der diesjährigen US-Erzeugung vorgenommen, aber sie bleibt mit den jetzt geschätzten fast 128 Mio. t rekordhoch. Außerdem sind Ende September in den USA höhere Sojavorräte ermittelt worden, sodass die Vermarktungssaison mit größeren Anfangsbeständen belastet ist. Da die US-Exporte schwächer laufen als in den Vorjahren, füllen sich die Silos weiter. Das USDA rechnet 2018/19 mit US-Endbeständen von 24 Mio. t Bohnen.

Zudem könnte Südamerika im Winter aus heutiger Sicht eine riesige Sojaernte beisteuern. Deswegen bleibt der internationale Markt rein rechnerisch bis zur Oberkante gefüllt. Das USDA rechnet mit einem Anstieg der globalen Vorräte um mehr als 13 Mio. t auf bislang unvorstellbare 110 Mio. t. Dabei hat das Ministerium die Erwartung an die chinesischen Weltmarktkäufe 2018/19 wie im Vorjahr auf 94 Mio. t Sojabohnen geschätzt. Daran hegen Marktbeobachter allerdings einige Zweifel, da China mit allen Mitteln versucht, seine Abhängigkeit von Sojaimporten zu verringern.

Weniger Weizen in Australien und Sibirien

Mittlerweile erhärtet sich die Einschätzung, dass Australien in der Saison 2018/19 wegen anhaltender Dürre und möglichen Frostschäden wesentlich weniger Weizen zur globalen Versorgung beisteuern kann. Das USDA geht von einer australischen Weizenerzeugung von 18,5 Mio. t aus. Das wären 1,5 Mio. t weniger als vor einem Monat geschätzt und die kleinste Produktion seit 2007/08. Außerdem hat das USDA weitere Abstriche an Russlands Weizenproduktion vorgenommen, weil in Sibirien weniger Sommerweizen als bisher erwartet gedroschen wird. Russland dürfte nach den aktuellen Erwartungen in dieser Saison mit 70 Mio. t Weizen aber immer noch eine ansehnliche Ernte eingebracht haben, aber das Rekordergebnis des Vorjahres von 85 Mio. t weit verfehlen.

Erste Börsenreaktion: Alles im grünen Bereich
Der Oktober-Wasde bringt keinen zusätzlichen Preisdruck. Händler hatten drückendere Angebotszahlen erwartet. In der ersten Stunde nach Veröffentlichung der USDA-Zahlen leuchten die Kurse der Chicagoer Börse für Mais und Weizen sowie für Sojabohnen und  Sojaschrot hellgrün. Auch an der Matif legten die Notierungen für Weizen und Raps kurz vor Börsenschluss am Donnerstag noch leicht zu.
Die globale Weizenerzeugung 2018/19 korrigiert das USDA um rund 2,1 Mio. t nach unten und rechnet jetzt mit 731 Mio. t. Für die generelle Bilanz ändert das kaum etwas. Der Verbrauch ist zwar mit etwa 746 Mio. t höher als die Erzeugung, aber die Weizenvorräte sind üppig und werden gerade mal auf 260 Mio. t abgebaut. Das Verhältnis der Endbestände zum globalen Verbrauch würde 2018/19 aus heutiger Sicht mit rund 35 Prozent äußerst komfortabel bleiben. Auch an den Exportaussichten für Weizen ändert das USDA nichts weiter. Russland führt 2018/19 mit 35 Mio. t, gefolgt von den USA (28 Mio. t), Kanada (24 Mio. t) und der EU (23 Mio. t).

 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats