Ausblick Weizen

Russland gibt den Takt vor


Das Wetter bleibt das Zünglein an der Waage.
Bild: Michael Grabscheit / Pixelio.de / Hntergrund Pixabay
Das Wetter bleibt das Zünglein an der Waage.

Der Weizenkurs an der Matif wird im 1. Quartal 2019 mit durchschnittlich 200 €/t notieren. Im Schlussquartal soll er nur noch 180 €/t anzeigen. So prognostizieren es die Rohstoffanalysten der Commerzbank in ihrem Marktausblick von Dezember.

Der Grund: Die globale Anbaufläche für Weizen steigt das erste Mal seit vier Jahren wieder leicht an. Dadurch entspannen sich die Versorgungsbilanzen. Die Weizenpreise haben also 2019 keine weitere Luft nach oben, „solange nicht nochmals Wetterkapriolen auftreten“. Ein Nachsatz, der es in sich hat, wie Marktteilnehmer spätestens seit dem Dürrejahr 2018 wissen. Meteorologen weltweit halten aktuell das Auftreten eines besonders ausgedehnten und heftigen „El Niño“ für sehr wahrscheinlich. Dieses Wetterphänomen geht in seiner starken Ausprägung mit Dürren, Wirbelstürmen oder Überflutungen in verschiedenen Teilen der Welt einher.

Klammert man das Wetter aus, bremst nach Einschätzung der Commerzbank auch die Wechselkursentwicklung das Aufwärtspotenzial der Weizenpreise. Zu rechnen sei 2019 mit einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Dann würden EU-Weizenexporte in Drittstaaten weniger wettbewerbsfähig als US-Herkünfte, sobald Russland sein Ausfuhrtempo drosselt. Das wird nach Einschätzung vieler Analysten im 1. Quartal 2019 der Fall sein. Denn die monatlichen Weizenexporte aus Russland liegen in dieser Saison bisher deutlich über dem Niveau des Rekordjahres 2017/18, obwohl der Exportüberschuss 2018/19 um rund 6 Mio. t kleiner ist. An diesem Freitag findet ein Treffen zwischen dem russischen Agrarministerium und Getreidehändlern statt. Schon häufiger wurde am Markt darüber spekuliert, ob die russische Regierung den Getreideexport drosselt. Marktbeobachter hierzulande glauben nicht an harte Eingriffe, sondern an ein „Entschleunigen“ der Ausfuhren durch eine Verlangsamung der zollrechtlichen Abwicklung in den Häfen.

Auch im deutschen Weizenmarkt soll sich – normale Witterungsverhältnisse vorausgesetzt – die Angebotslage entspannen. Die Ernte 2019/20 bezifferte etwa Steen Houengaard vom Hamburger Maklerbüro „ABK Getreideagentur“ kürzlich auf dem Agrarmarkt-Seminar von agrarzeitung (az) und Top Agrar in Hamburg mit 25,2 Mio. t, nach 20,1 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr. Dementsprechend würde das Exportpotenzial für deutschen Weizen in Drittstaaten 2019/20 auf 3,5 Mio. t ansteigen, nach 2,5 Mio. t in der laufenden Saison. Doch das Wetter bleibt auch hierzulande Zünglein an der Waage. Um eine normale Weizenernte 2019 zu erzielen, brauchen die Wintersaaten in Deutschland in den kommenden Monaten reichlich Niederschläge, damit das Wasserdefizit aus 2018 wieder ausgeglichen wird.

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