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Sarah Speicher-Utsch über Trecker und Til Schweiger

Tatortkommissar, Actionheld, Weltverbesserer. Til Schweiger ist wohl einer der am meisten polarisierenden Figuren des deutschen Filmgeschäfts. Seit 2 Wochen floppt sein neuer Film „Tschiller: Off Duty“ im Kino. Eingefleischte Landmaschinenfans – und nicht nur die – sollten ihn trotzdem unbedingt anschauen.

Warum? Das hat drei Gründe.

Erstens: Während Til alias Nick Tschiller den Gangstern nachjagt, die seine Tochter entführt haben, kommen die Zuschauer voll auf ihre Kosten. Sofern sie auf ein bisschen Action, Muskeln und Geblödel stehen und das Genuschel vom Til billigend in Kauf nehmen oder es einfach mit einer Flasche Bier herunterspülen. Denn entgegen aller anders lautender Kritik ist der Streifen kurzweilig, amüsant und spannend. Und natürlich überdreht, aber das darf auch sein. Gefahr einzuschlafen, wie dereinst bei dem ein oder anderen Tatort am Sonntagabend, besteht indes nicht.

Zweitens: Während Til alias Nick bei seiner Suche schließlich in Russland landet, kommen eingefleischte Landmaschinenliebhaber voll auf ihre Kosten. Nachdem ein nagelneuer Claas-Mähdrescher ihn mitten auf einem Acker beinahe ins Jenseits befördert hat, übernimmt Nick selbst das Steuer und entkommt den Schurken. Was hier in einem Satz gesagt ist, können Claas-Fans bei einer Tüte Popcorn hingegen ganz in Ruhe genießen. Denn die Szene zeigt den Claas in all seinen Facetten: von vorne, seitlich, aus der Fahrerkabine heraus – und das Mähwerk in voller Größe. Dass da auch Blut spitzt, versteht sich von selbst.

Drittens: Wer sich Sachen Marketing etwas von dem Familienunternehmen Claas abschauen möchten, kommt ebenfalls voll auf seine Kosten. Wie in einem James-Bond-Film Daniel Craig den schicken Aston Martin steuert Til Schweiger hier mit Karacho den fetten Claas über einen russischen Acker. Und stellt ihn auch danach auch noch prompt mitten auf dem Roten Platz ab. Die Kamera immer auf dem Logo, logo. Dass Claas in einem schwierigen Umfeld seine Produktion auf dem russischen Markt forciert: selbstredend.

Anders als bei James Bond musste Claas für seinen Auftritt nicht einmal Geld locker machen, ist zu hören. Die Anfrage, ob der Landmaschinenhersteller aus Harsewinkel einen seiner Mähdrescher zur Verfügung stellen könnte, sei von Schweigers Produktionsfirma ausgegangen, heißt es im Unternehmen. Aber anders als einen James-Bond-Streifen, in dem Aston Martin für die Schleichwerbung tief in die Tasche greifen muss, haben den Schweiger-Film in der ersten Woche nur 110.000 Zuschauer gesehen. Den letzten Bond „Spectre“ haben sich nach dem ersten Kinowochenende dagegen 1,7 Millionen Deutsche angeschaut.

Geschmack hin oder her: Die Handlung ist einfach abgefahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.
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