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Horst Hermannsen zur Müllerei

Ist Manfred Weizbauer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen (VDM), in seinem Amt nicht ausgelastet? Jedenfalls hat er noch so viel Muße, dass er den Backwarenherstellern bereits vor einem Monat Nachhilfeunterricht in Betriebswirtschaft erteilen konnte. „Mehl, Brot und Brötchen müssen teurer werden", meinte er im Hinblick auf die steigenden Getreidepreise. „Diese Belastung müssen wir weitergeben, sonst sind die Mühlen pleite", so der Lobbyist. Sehr geehrter Herr Weizbauer, Sie haben mit den befürchteten Pleiten natürlich Recht, auch wenn es nicht sonderlich geschickt ist, es so zu formulieren. Besonders schlimm sind jedoch hausgemachte Probleme Ihrer Branche.

Was derzeit in der deutschen Mehlmüllerei abläuft, ist für Außenstehende kaum nachvollziehbar und selbst Insider schütteln verwundert den Kopf. Im vergangenen Wirtschaftsjahr überwogen rote Zahlen in der Branche. Schließlich  fuhren etliche Unternehmen aus dem operativen Geschäft Verluste ein. Sondereinflüsse wie zum Beispiel Kartellstrafen, die teilweise bilanziell noch nicht „verarbeitet" sind, wirken wie Dunkelhaft und Daumenschrauben.

Eigentlich sind das überzeugende, weil schmerzhafte Voraussetzungen, damit künftig die eine oder andere Großmühle ihre Sache besser macht. Aus Schaden wird man bekanntlich klug, meint zumindest der Volksmund.

Bei mancher Großmühle trifft dies indes nicht zu. Erst vor wenigen Tagen knickte man vor dem Lebensmitteleinzelhandel regelrecht ein und vereinbarte Mehlpreise, die von 30 bis zu 40 Euro pro Tonne unter dem Niveau des Vorjahres liegen sollen. Herr Weizbauer, hören Ihnen die VDM-Mitglieder nicht mehr so richtig zu ? Nach einer Direktive Ihres Vorsitzenden aus Bremen verkündeten sie doch bereits frühzeitig, dass der Einkaufspreis für Weizen in diesem Wirtschaftsjahr deutlich über dem Vorjahresniveau liegt. Und wie Recht Sie doch mit Ihrer Prognose hatten. Und nun gehen die Mehlpreise nach unten.

Bei einer solchen Konstellation von Rendite zu sprechen, verbietet sich. Kurioserweise wurden die Mehlabschlüsse just in dem Moment getätigt, als das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) die weltweiten Erntemengen nochmals nach unten revidiert hatte. So etwas nennt man abstrakte Logik. Ob tatsächlich für alle und jeden national und international der Rohstoff Weizen bis zum Ende der Kampagne 2012/13 zu kalkulierbaren Konditionen zur Verfügung steht, ist keineswegs sicher.

Den Reigen der Preisschleuderei soll dieses Mal der europäische Mühlenprimus mit Sitz in Hamburg eröffnet haben. (Aber sind die anderen bekannten Verdächtigen wirklich besser?) Es entbehrt nicht einer  gewissen Konsequenz, dass der VK-Konzern nur ein paar Tage später per ad-hoc-Meldung bekannt gab, dass aus seinem Mehlgeschäft weitere Verluste erwirtschaftet werden. Was sich die Führungsriege, die ja nun mehr aus ehemaligen Kaffeeröstern besteht, dabei denkt, ist kaum zu ergründen. Durch dieses Verhalten wird die gesamte Mühlenbranche bis ins Mark getroffen.

Warum sollen Backwarenhersteller für loses Mehl mehr bezahlen, wenn Kleinpackungen billiger zu haben sind? Banken und nervöse Getreidelieferanten werden jedenfalls demnächst noch mehr unangenehme Fragen stellen. Wo ist eigentlich bei dieser Firmenpolitik der Aufsichtsratsvorsitzende? Mit seinem eigenen Unternehmen, der Baywa AG in München, jagt er, schwindelerregend und optisch recht wirksam, von Rekord zu Rekord. Wie lange wird er die Vorgänge in Hamburg noch tolerieren?  Oder ist der eigentliche Aufsichtsrat die LLI Euromills GmbH in Wien? Schließlich ist sie die Mehrheitseignerin der VK Mühlen AG.
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