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Stefanie Pionke zu Verbraucherportalen im Internet

Nach EHEC-Krise und Dioxinskandal 2011 rüsten Agrarwirtschaft und Politik kommunikativ auf. Mit Internetportalen wollen sie Transparenz schaffen, das Vertrauen der Bevölkerung in Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln stärken, oder das Image der Landwirtschaft aufpolieren. Mal darf der Verbraucher gegen Produkte stänkern, durch dessen Aufmachung er sich getäuscht fühlt. Mal wird vor Salmonellen in indischem Gewürzpulver gewarnt. Und wieder ein anderes Mal präsentiert die Industrie sich selbst auf anmenschelnde Weise. Lohnt der Aufwand, mit dem diese Portale und Webseiten betrieben werden?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat in der zweiten Jahreshälfte 2011 die Portale lebensmittelklarheit.de und lebensmittelwarnung.de gestartet. Die Privatwirtschaft legt nach. Das von der Agrarwirtschaft getragene System zur Überwachung von Lebensmitteln, die Qualität und Sicherheit GmbH (QS) in Bonn, ist mit dem Webportal qs-live.de online gegangen. Animierte Videoclips veranschaulichen den Kontrollweg von Obst, Fleisch oder Gemüse. Anekdoten aus dem Arbeitsalltag eines Milchviehhalters aus Oberbayern oder einer Auszubildenden in einem süddeutschen Supermarkt werden erzählt. Die Botschaft: Wir sind vertrauenswürdig, wir sichern die Qualität Ihrer Lebensmittel. Doch kommt die Botschaft an? Schalten Verbraucher den Computer an und klicken sich gezielt durch Informationsangebote aus Agrarwirtschaft und Politik?

QS hofft, dass der Lebensmitteleinzelhandel Werbung für qs-live macht. Feste Zusagen gibt es noch nicht. Die Finanzierung des Projektes hingegen steht: Die EU unterstützt die auf drei Jahre angelegte Infokampagne mit 1,5 Millionen Euro; für lebensmittelklarheit.de lässt das Bundeslandwirtschaftsministerium immerhin knapp 1 Million Euro springen. Nach Angaben auf der Seite haben Verbraucher seit dem Start von Lebensmittelklarheit im Juli dort knapp 5.000 Produktbeschwerden eingeschickt. Ob das viel ist, sei bei knapp 82 Millionen deutschen Bundesbürgern mal dahingestellt.

Können Informationsportale im Internet künftig in Fällen wie der EHEC-Krise Ängste in der Bevölkerung besänftigen? Das steht zu bezweifeln, da sie - anders als Fernsehen, Radio und die Tagespresse - nur den kleinen Teil der Verbraucher erreichen, der sie gezielt aufsucht.
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