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Katja Bongardt zu ausbleibenden Skandalen zur Grünen Woche

Was ist los? Wo stecken die anlassbezogenen Spielverderber? Mineralöl in Schokohasen zu Ostern, Gift im Zimtgebäck zu Weihnachten oder im Frühjahr die Nachricht von Pflanzenschutzmittelrückständen auf Obst und Gemüse begleiten den Verbraucher zuverlässig durch den Jahreskalender.


Auch die Grüne Woche hat sich als Datum für Skandale bewährt. Doch in Berlin bleibt alles ruhig. Wie schon im vergangenen Jahr. Die letzten Aufreger, als Norwegen auf der Grünen Woche Häppchen vom Wal verkaufte oder Pferdefleisch in der Lasagne gefunden wurde, liegen schon eine Weile zurück.

Möglicherweise sind alle Engagierten in Davos, wo die Themen brisanter sind. Eine Stiftung warnt, dass es 2050 mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren geben könnte, wenn sich nichts ändert. In dieser Woche, kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums, haben sich allerdings bereits 40 Weltkonzerne wie Dow Chemical und Danone verpflichtet, weniger und umweltfreundlicheres Plastik zu verwenden. Mission erfüllt, Transparent kann wieder eingerollt werden.

Vielleicht gibt es dieses Gefühl gerade auch in Berlin. Mission erfüllt. Zumindest ein heikles Thema hat die Politik nämlich vor der IGW bereits selbst besetzt: den Tierschutz. Auch wenn derzeit niemand so recht weiß, wie sich Landwirtschaftsminister Schmidt das mit dem neuen staatlichen Tierwohllabel eigentlich denkt - er sollte die Ruhe nutzen. Denn die konkrete Ausgestaltung fordert noch Energie genug. Schmidts To-do-Liste ist lang. Nur wenn er eine Definition des Stalls der Zukunft liefert, klar macht, wie ein Landwirt damit auch Geld verdient und die Produkte im Supermarkt entsprechend bewirbt, hat ein weiteres Siegel überhaupt eine Chance.

Die 74 Betriebe, die derzeit beim Tierschutz-Label des Deutschen Tierschutzbundes mitmachen, können die Messlatte nicht sein.
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