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Katja Bongardt über die Generation Z

Schubladen sind praktisch. Keine Frage. In die eine kann man Socken legen und in die andere Löffel. Für Menschen sind Schubladen zu klein. Und deswegen ist es auch Zeitverschwendung, Menschen in Kästen einzusortieren, auf denen Etiketten wie Generation X oder Y oder Z stehen, nur weil sie in einer bestimmten Dekade geboren sind.


Doch das Einsortieren ist seit längerem Trend. Begonnen hatte alles mit der Generation Golf. Das ist der Titel des 2000 erschienenen Romans von Florian Illies über die in den 1970ern Geborenen. Er legte den Grundstein für die Etiketten, mit denen Generationen versehen werden. 


Jetzt also das Z. Ein Wissenschaftler von der Universität des Saarlandes informierte Führungskräfte des Deutschen Raiffeisenverbandes darüber, wie die Generation Z tickt. Für manche nicht ganz sauber: Freizeit geht vor Karriere, geringe Bindung an das Unternehmen, wenig Interesse an Verantwortung. Das sind Attribute, die kein Arbeitgeber gerne hört. Ist mit den "Z-lern" jetzt also das Ende von Innovation, Fortschritt und Leistungskraft erreicht?

Für manche tickte aber auch der Studienleiter Professor Scholz nicht ganz sauber. "Als Personaler habe ich mich bisher immer mit Persönlichkeiten und individuellen Eigenschaften beschäftigt und nicht mit der Typisierung nach Jahrgängen", fasst Rainer Greb, Personalchef bei der ZG Raiffeisen, seine Zweifel an der Studie zusammen. Recht hat er. 


Auch bei den 20-Jährigen gibt es verantwortungsvolle und leistungsbereite Menschen. Denn jeder Mensch ist verantwortungsvoll und leistungsbereit. Allerdings nur dann, wenn er weiß, warum es sich lohnt, diese Eigenschaften an den Tag zu legen. Manche machen das dann lieber abends im Handballverein oder samstags bei der Reitbeteiligung.


Damit das auch im Büro oder im Betrieb passiert, braucht es Motivation. "So haben wir das bisher immer schon gemacht" zählt zu den Sprüchen, die gerne in Traditionsberufen angebracht werden. Sie tragen möglicherweise nicht optimal zur Beflügelung der Arbeitsleistung bei. Und allein aus diesem Grunde lohnt es sich doch, den Ausführungen eines Forschers zu folgen, der mit anzweifelbaren X-, Y- und Z-Begriffen jongliert. 


Denn wer unter fehlendem beruflichen Nachwuchs leidet, wie es die Agrarbranche tut (aber nicht nur die), muss sich bei der Rekrutierungsarbeit etwas einfallen lassen, um für die junge Generation attraktiv zu sein. Und da können Anregungen von vielerlei Seiten nicht schaden, beispielsweise, wie Führungskräfte ihre Organisationskultur verbessern können, wie Entscheidungen transparenter und für Mitarbeiter nachvollziehbar werden und wie sich Berufliches und Privates sauber voneinander trennen lässt. Denn mit dem Schimpfen auf eine möglicherweise derzeit geringere Leistungsbereitschaft ist nichts gewonnen. Die Branche ist darauf angewiesen, dass sie junge Menschen für sich begeistern kann.


Ein Trost bleibt: Nach der Generation Z wird eine nächste kommen. Nur alphabetisch nicht. Da sind wir am Ende. Und das ist auch gut so.
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