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Peter Seeger über Verbandsspitzen nach dem Panorama-Beitrag

Vielleicht ist die Überschrift povokant, so funktioniert aber das Mediengeschäft. Angegriffen wurden die Landwirtschaft und insbesondere ihre Verbandsvertreter, durch den Beitrag im ARD-Magazin Panorama. 


Die Bilder ähneln den Berichten der letzten Jahre, egal ob aus Biohaltung oder aus den Ställen des Labels des Tierschutzbundes. Dunkle Bilder von erstickten Ferkeln in der Eihaut, ein Nabelbruch oder auch ein Blutohr, ein lahmes oder auch totes Schwein in der Bucht. Alles aber Bilder, die jeder aktive Schweinehalter kennt. Zudem aber auch offensichtlich gestellte Bilder im Stall, bei deren Authentizität man zweifeln kann. Leider sind auch Bilder von Tieren dabei, die wirklich erschreckend sind. Auch wenn sich in den letzten Jahren viel verbessert hat. Beim Umgang mit kranken Tieren müssen sich alle Tierhalter ganz konsequent jeden Tag kümmern. 


Die Landwirtschaft ist aktuell mal wieder zum Spielball der Medien und Tierrechtsindustrie geworden. Anders ist die Situation momentan nicht zu beschreiben. Warum veröffentlich man Bilder von kranken Tieren erst viele Monate später wenn es wirklich um den Schutz der Tiere geht? Hat sich vorher noch keiner für die Bilder Interessiert oder waren der Preisvorstellungen einfach noch zu hoch. Erschütternd ist jedoch, dass regelmäßig gerade unsere steuerfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten anscheinend das gewünschte Bündel Scheine auf den Tisch werfen, um an die illegalen Bilder zu gelangen. Steuerfinanzierte Stalleinbrüche mit öffentlicher Diffamierung von Bürgern sollten für einen demokratischen Rechtsstaat eine rote Linie sein. Im Gegensatz dazu stellen heute deutsche Richter Stalleinbrechern noch Straffreiheit aus. Unangekündigte Kontrollen der Betriebe von ausgebildeten Veterinären ist das Mittel, das unserer Verfassung entspricht und unserem Rechtsverständnis entsprechen sollte. 


Bitter sind die aktuellen Aussagen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) dazu, dass es Tierschutzprobleme nur in größeren Betrieben mit Mitarbeitern gäbe. Weder zeigen die Erfahrungen der Veterinärbehörden noch Daten des Antibiotikamonitorings, dass besonders bei kleinen Betrieben immer alles in Ordnung ist. Auch Klein- und Biobetriebe sind nicht gefeit vor Krankheitseinbrüchen im Stall. Diese Spaltung der Tierhalter sollten wir dringend unterlassen, denn wie die Erfahrung gezeigt hat, kann es wirklich jeden Betrieb treffen. Vielleicht sind gerade durch diese vollmundige Aussage der AbL ihre eigenen Betriebe ein neues interessantes Opfer geworden. 


Doch wie kommen wir wirklich aus dieser Misere raus? Natürlich müssen die Ställe ordentlich verschlossen sein, damit keine unbefugten Personen in den Stall kommen. Dies fordert schon die Schweinehygieneverordnung. Da dies jedoch nicht ausreicht, um einen kriminellen Tierrechtler aufzuhalten, ist das nur begrenzt wirksam. Auffällig ist doch, dass von keinem der angegriffenen Funktionäre in dem Panorama Beitrag Bilder aus dem Stall im Netz zu finden sind. Wo ist der kleine Zeitungsartikel zu der Kindergartengruppe, die zu Besuch war? Wann war die Feuerwehr zur letzten Übung mit anschließender Stallbesichtigung da? Wenn wir uns als Betrieb oder als Branche abschotten, werden wir zu leichten Opfern der Tierrechtsindustrie. Die Branche muss offensiver mit der Öffentlichkeit umgehen. 


Der doch überschaubare Beitrag aus unseren Verbänden wie der ISN, dem Bauernverband oder das industriefinanzierte Forum für Moderne Landwirtschaft kann bei weitem nicht die Öffentlichkeitsarbeit der gesamten Landwirtschaft und zugleich für jeden einzelnen Betrieb leisten. Die Hoffnung, dass es den Nachbarn trifft, hat möglicherweise in den letzten Jahren für die meisten Betriebe ganz gut funktioniert. Spätestens beim Bauantrag für das Güllelager nach der neuen Düngeverordnung könnte sich diese Strategie aber rächen. Auf einmal steht man völlig unvorbereitet im Fokus. Vielleicht sind nun auch die Spitzen der Verbände bereit, neue, offensivere und aber auch anstrengende Wege mit den Landwirten zu gehen. Letztlich muss jeder Landwirt selber für sein Image etwas tun, nur gemeinsam sind wir stärker.
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