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Bauer Willi zum Lebensmitteleinzelhandel

Tierschutz, Umweltschutz, Nachhaltigkeit sind Begriffe, mit denen sich nun auch der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) beschäftigt. Jede Kette, die was auf sich hält, äußert sich zur Nachhaltigkeit und holt sich mitunter auch NGOs mit an Bord. Da kann man seitenlange Abhandlungen lesen oder auch nur kurze Hinweise, „das man sich auch um die Nachhaltigkeit kümmert“. Das man sich an geltendes Recht und Gesetz hält, ist ja eher eine Selbstverständlichkeit.

Verbündete untermauern den Anspruch

Bei Aldi heißt das dann: „Wir setzen uns dafür ein, dass die Herstellung agrarwirtschaftlicher Erzeugnisse und Nutztierprodukte für unser Unternehmen nach höchsten Industriestandards (Good Agricultural Practice) erfolgt. Dabei erfährt das Prinzip der Nachhaltigkeit eine zunehmende Bedeutung (CR-Policy).Noch einfacher bei Lidl: „Wir halten uns an geltendes Recht und interne Richtlinien.“ (Compliance). Immerhin unterstützt man ja den Verband Deutscher Naturpark (VDN). Das tut Kaufland übrigens auch. Bei Edeka hat man sich den WWF als Verbündeten geholt. Der Panda-Bär soll helfen, in den verschiedenen Produktbereichen nachhaltiger zu werden. Als Ziel wird auffallend häufig das Jahr 2017 genannt, sei es nun bei Palmöl, Holz und Papier oder den Ausstoß von Treibhausgasen. Bei Fisch will man das Sortiment auf 100% Nachhaltigkeit umstellen, allerdings fehlt hier die Jahresangabe.

Gleiches gilt auch für Soja. Da heißt es jedoch nur „EDEKA und WWF als Partner für Nachhaltigkeit setzen sich bei Futtermitteln in der Schweine-, Rinder- und Geflügelernährung für eine Umstellung auf heimische bzw. europäische Futtermittel oder auf zertifiziert verantwortungsvolleres, gentechnikfreies Soja ein“.

Womit wir bei REWE angekommen wären, die sogar eine 14-seitige „Leitlinie für Soja als Futtermittel“ herausgegeben haben. Da ist dann vom Einsatz der Gentechnik in Südamerika zu lesen, von Biodiversitätsverlusten, von Resistenzen und Gesundheitsrisiken. Die Lösung ist auch schnell gefunden: Umstellung auf heimische und europäische Eiweißquellen. Wie bei EDEKA gilt das allerdings nur für die Eigenmarken. Als strategischen Partner in Sachen Nachhaltigkeit und Umwelt ist bei REWE der NABU mit an Bord. Mit seinem Pro Planet-Label hat man sogar ein eigenes Logo entwickelt, zu dem REWE schreibt: „So gibt es bereits eine Vielzahl von ökologischen Gütesiegeln, die auf gehobene Umweltstandards hinweisen. Ein Label, das sowohl Umweltaspekte als auch den Schutz der Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen berücksichtigt, fehlte bisher.“ Ganz so weit scheint man bei Metro noch nicht zu sein. Dort ist unter dem Thema „Verankerung der Nachhaltigkeit im Unternehmen“ nur zu lesen: In Bearbeitung.


Die Rechnung nicht ohne die Erzeuger machen

Was man aber überall findet, ist der Anspruch, den der LEH an seine Lieferanten stellt und der wird immer höher geschraubt. Relativ neu ist, dass der LEH beim Tierschutz eigene Wege geht. Kaum hat man sich in der Initiative Tierwohl auf freiwillige und höhere Standards geeinigt - bei der die Landwirte auch in unerwartet großer Zahl mitziehen - wird jetzt bekannt gegeben, dass man bei dem ein oder anderen einzelnen Baustein (vor allem in der Geflügel- und Schweinehaltung) nochmals höhere Standards fordert, weil ansonsten die Auslistung droht. Auf die Preise soll sich dies nach Unternehmensangaben aber nicht auswirken.

Das sieht der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, ganz anders. Für ihn ist das Thema Preis letztlich der Dreh- und Angelpunkt bei einer Verbesserung der Nutztierhaltung: „Tierschutz kostet Geld“, betont er. Und mit ihm werden das wohl auch viele Landwirte so sehen.

Kritisch müssten all diese Entwicklungen eigentlich auch die Natur-, Umwelt- und Tierschutzverbände sehen. Wenn der LEH in diesem Sinne weitermacht, könnte ihnen über kurz oder lang die Existenzberechtigung abhandenkommen. Der LEH jedenfalls macht sich mit dem Aufstellen immer neuer Forderungen, die angeblich von der Gesellschaft gewünscht sind, einen schlanken Fuß.

Denn es ist einfach, echte oder auch nur vermeintliche gesellschaftliche Tendenzen aufzugreifen, um diese dann als Voraussetzung für die weitere Zusammenarbeit einzufordern. Der LEH müsste wissen, dass dies nicht von heute auf morgen geht. Einen Katalysator in die Auspuffanlage eines Autos einzubauen ist das eine, einen neuen Stall zu bauen (oder auch nur umzubauen) das andere. Daran hängen schließlich Existenzen. Wenn also der LEH eine Verpflichtung gegenüber „der Gesellschaft“ verspürt, sollte er die Lieferanten dabei nicht aus den Augen verlieren. Die könnten ansonsten dabei unter die Räder kommen. Und wenn die dann platt sind, wird es mit dem Umwelt- und Tierschutz deutlich schwieriger. Aber wir haben ja immer noch den Weltmarkt….
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