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Horst Hermannsen zum Agrartag des Genossenschaftsverbands Bayern

Niemand glaubte mehr so recht daran, und doch hat der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) es endlich fertig gebracht, einen Agrartag zu veranstalten, der diesen Namen auch verdient. Zwar behauptete GVB-Präsident Stephan Götzl kürzlich bei der Eröffnung in Augsburg, dass dies bereits der 4. Agrartag seiner Organisation sei. Aber, verehrter Herr Professor Dr. h.c Götzl, dass können Sie doch unmöglich ernst gemeint haben. Schließlich waren alle vorangegangenen Veranstaltungen mehr Energie- als Agrartage.

Gier frisst Hirn

Bei den falsch etikettierten Tagungen wurde doch vor allem für Bürgerbeteiligungen an fragwürdigen Energiegenossenschaften die Werbetrommel gerührt. Mit Erfolg übrigens, denn wie der Volksmund weiß, frisst Gier bekanntlich Hirn. Wen mag es also wundern, dass sich die Gründungen von Genossenschaften in diesem Sektor überschlagen. Und nur darum geht es dem GVB und vor allem seinem Präsidenten. Die schiere Zahl, die Statistik, erscheint wichtiger als vorsichtiges, verantwortungsvolles Handeln.

Die Kritik aus den Reihen der Warengenossenschaften, die sich wie Fremdkörper bei den vordergründigen Werbeveranstaltungen fühlten, brachte den Verband sektoral nun wieder auf den richtigen Weg. Der Agrartag 2013 in Augsburg hat sich jedenfalls mit dem breiten Feld der Landwirtschaft professionell beschäftigt. Den aus allen Regierungsbezirken Bayerns angekarrte Bauern wurde ein tiefer Einblick in die Handelsströme der Zukunft gewährt.

So stellte Klaus-Josef Lutz nicht nur seine eigene sondern vor allem die Einmaligkeit seines Unternehmens, der BayWa AG, vor. Dies ist durchaus verständlich, schließlich sponsert die „Grüne AG“ den Agrartag. Der Einblick in internationale Verflechtungen der Agrarmärkte und ein sich daraus ergebender Anpassungszwang der traditionsreichen Unternehmen in Europa, besonders aber in Deutschland, bewirkte bei seinen bäuerlichen Zuhörern eine Horizonterweiterung. Die Baywa muss sich, im Interesse der Landwirtschaft, internationaler aufstellen um in der Zukunft auch regional bestehen zu können, so Lutzens Credo.

Baywa-Chef liebt Anglizismen

Nur am Rande, Herr Lutz, wissen Sie dass 60 Prozent aller Deutschen der englischen Sprache nicht mächtig sind? Sehen Sie sich in Ihrem eigenen Aufsichtsrat um. Sie werden diese Aussage bestätigt finden. Unter uns gesagt, bei den Bauern sind die Verhältnisse nicht wesentlich besser. Sie freilich lieben die Anglizismen. Meinen Sie so den Eindruck von Weltläufigkeit zu vermitteln? Gleichwohl haben Ihre bäuerlichen Zuhörer wenig Freude an dem modischen Anglo-Firlefanz. Mit anderen Worten: Lassen Sie Ihre Trader wieder Händler sein. Das klingt in den Ohren ihren Kunden solider und Ihre Mitarbeiter müssen sich nicht das Lächeln verkeifen. Ich empfehle Brainstorming!

Deutliche Worte fand schließlich Manfred Nüssel zum Thema Spekulation. Die unverzichtbaren Warenterminbörsen müssen durch zunehmende Liquidität gestärkt werden, forderte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Zweifellos sind sie ein unverzichtbares Instrument der Risikoabsicherung. Warum ausgerechnet hier die Finanztransaktionssteuer greifen soll ist unverständlich. Diese Börsen sind wahrlich nicht für die EU-Finanzkrise verantwortlich. Und Spekulation ist keineswegs die Ursache für den Hunger in der Welt.

Sehr geehrter Herr Präsident Nüssel, lassen Sie sich doch bitte einen Termin im Schloss Bellevue geben. Hier ist Aufklärung dringend erforderlich.
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