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Stefanie Pionke zum Klimaschutzplan 2050

Pupsenden Rindern geht es an den Kragen. Denn wer das Klima retten will, muss Opfer bringen. Das sieht zumindest das Bundesumweltministerium in seinem jüngsten Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 so. Womit sich Ressortchefin Barbara Hendricks wieder einmal als Bauernschreck der Nation hervortut.

So manch ein Verbandsfunktionär aus der Landwirtschaft würde das neueste Papier aus dem Hause Hendricks sicherlich gerne umgehend im Giftschrank verschließen. Doch gemach, gemach. Der Entwurf, der viele Schrecken für die Branche bereithält, muss erst noch mit dem Wirtschaftsministerium und danach auch noch mit der Bundesregierung abgestimmt werden. Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) hat bereits den Rotstift angelegt und die Klimaetappenziele bis 2030 – auch für die Landwirtschaft – gestrichen. Und Bundesagrarminister Schmidt wird sicher auch die eine oder andere Zeile aus dem Papier streichen wollen.

Gehen wir einen Schritt zurück. Welche Schrecken hält das Papier für die Landwirte bereit? Zunächst wäre da das übergeordnete Ziel, die Treibhausgasemissionen des Sektors bis 2050 zu halbieren. Ein Rückfahren auf Null bleibt den Agrariern immerhin erspart. Denn: Auch Bauernschreck Hendricks erkennt an, dass dem biologische Prozesse in Tierhaltung und Pflanzenbau entgegenstehen.

Dennoch bleiben genügend Hiobsbotschaften: Der Fleischkonsum der Deutschen soll gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung halbiert werden. Das dürfte nicht nur die Tierhalter gegen den Strich bürsten, sondern auch die stolzen Weber-Grill-Besitzer.

Dringend zu senken ist nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums auch der Bestand an Wiederkäuern. Grasende Kühe sehen zwar hübsch aus in der Landschaft, doch wenn die Viecher pupsen, ist der Spaß vorbei. Das trifft übrigens auch auf Regionen intensiver Tierhaltung zu, zumindest, wenn die Bundesregierung dem mittelfristigen Ziel treu bleibt, keine Stallneubauten mehr in Gegenden mit mehr als 2 Großvieheinheiten je Hektar zu genehmigen. Zu allem Überfluss stellt das Umweltministerium auch noch eine Strategie der Regierung zur Begrenzung der Emissionen aus der Tierhaltung bis 2021 in Aussicht.

Auch die Diskussion um Direktzahlungen rollt das Umweltressort im Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 neu auf: Ab 2021 sollen Subventionen nur noch gegen Umweltleistungen fließen.

Doch nicht alle Landwirte dürften die Klimarettungsstrategie meiden wie der Teufel das Weihwasser: Der Ökolandbau soll bis 2020 verdreifacht werden auf 20 Mio. Hektar. Um dieses nicht ganz neue Ziel endlich zu erreichen, fordert das Umweltressort von der Bundesregierung bis 2017 eine Strategie. Mal sehen, ob diese Idee den Rotstift überlebt.

Eines muss man der Bundesumweltministerin zugestehen: In Zeiten, in denen sich Politiker sämtlicher Couleur die Unterstützung notleidender Tierhalter auf die Fahnen geschrieben haben, schwimmt sie tapfer gegen den Strom.

Und darauf muss sich die Landwirtschaft gefasst machen: Macht die Weltgemeinschaft beim Kampf gegen den Klimawandel ernst, wird die Branche künftig Einschnitte hinnehmen müssen. Doch bekanntlich fallen allzu idealistische Ziele der Realpolitik zum Opfer.
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