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Horst Hermannsen zum GVB

Wenn es um seinen ehemaligen Präsidenten geht, dann hüllt sich der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) in beredtes Schweigen. Stephan Götzl und der GVB gehen endlich getrennte Wege. Beide Seiten hätten sich „im beidseitigen Einvernehmen“ auf das vorzeitige Ende von Götzls Amtszeit verständigt, teilte der Verband lapidar mit, und das war’s auch schon. Wegen Untreueermittlungen der Staatsanwaltschaft München wurde Götzl vom Verbandsrat des GVB bereits im Mai dringend nahegelegt, sein Amt ruhen zu lassen - was er dann auch tat. Ihm wird vorgeworfen, dass er private Ausgaben über die Kasse des Genossenschaftsverbandes abgerechnet hat. Dabei soll es um bemerkenswert hohe Summe gegangen sein.

Nun bewegt viele Genossen die Frage, ob Götzl eine Abfindung erhalten hat, oder nicht. Immerhin läuft sein Vertrag bis 2019. Die Frage ist relativ einfach zu beantworten: Sind die GVB-Verantwortlich überzeugt, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft unbegründet sind, dann bekommt er Geld. Ist man aber sicher, dass er „in die Kasse gegriffen hat“, dann dürfte er ebenfalls Geld erhalten, um rasch zu gehen, denn man möchte nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht werden. Ein aktiver Raiffeisenpräsident vor den Schranken des Gerichtes dient nicht unbedingt der Reputation des Verbandes. Vermissen werden ihn die Genossen nicht. Er erweckte bei ihnen den Eindruck, als sei er mehr mit sich und seinem Privatleben als mit dem Verband beschäftigt.

Einen Nachfolger für Götzl zu finden ist nicht schwer. Diese Ämter sind schon deshalb leicht zu besetzen, weil sie keiner besonderen Qualifikation bedürfen. Präsident eines Raiffeisen- beziehungsweise Genossenschaftsverbandes zu sein, ist wie ein Hauptgewinn im Lotto. Die Protagonisten haben großen Einfluss, tragen aber keinerlei Ergebnisverantwortung. Unverzichtbare Voraussetzung ist freilich das richtige Parteibuch. Im gesamten bayerischen Genossenschaftssystem wuchert die CSU wie ein Pilzmyzel mit feinsten Verästelungen bis in die entlegensten Bereiche. So zählen zu den wichtigsten Aufgaben des GVB- Präsidenten die Kontaktpflege zur Staatsregierung und das Spendensammeln für die CSU. Der Verleihung von Bundesverdienstkreuz, dem Bayerischen Verdienstorden und dem anderen Schnickschnack der Eitelkeiten, kann man sich auf diesen Posten nur durch große Anstrengungen entziehen.

Götzl liebte die Nähe zu Kabinettsmitgliedern; im Dunstkreis von Staatsekretären und Ministern fühlte er sich nicht nur wohl, sondern auch wichtig. Als 2011 der damalige bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon auf den besser bezahlten Posten des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes wechselte, brachte sich Götzl als dessen Nachfolger ins Gespräch, was Ministerpräsident Horst Seehofer aber nicht so recht zur Kenntnis nahm. Überhaupt fühlte sich Götzl zu Höherem berufen. Wie gerne wäre er Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) in Berlin geworden. Das blieb dem BVR - nicht zuletzt auch wegen geschickter Winkelzüge maßgeblicher Vertreter des Deutschen Raiffeisenverbandes - erspart. Man sagt ihm zudem nach, dass er lieber Titel als Erkenntnisse sammelt. So besorgte er sich die Ehrendoktorwürde bei der Uni Passau und den Honorarprofessor an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen.

Was diese Attribute der Selbstgefälligkeit dem Verband gekostet haben, lässt sich nur erahnen. Schmerzlich dürfte für Götzl der Verlust von Ämtern, Pöstchen und Privilegien sein. Denn was immer ein Dilettant auch sein will, stets zieht es ihn auf die Bühne. Stets möchte er sich in Scene setzen. Der GVB bietet dafür vielfältige Möglichkeiten.
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