Butter bei die Fische

--

Dr. Angela Werner über Geschmack

Die Wünsche der Verbraucher drehen zuweilen kuriose Schleifen. Was gestern gut war, ist es heute nicht mehr, aber morgen kann es sich doch wieder als gut erweisen. So passiert es derzeit mit Butter. In den Nachkriegsjahren war Butter eine Rarität, dann aber im Aufschwung der Wirtschaftsjahre ein Ausdruck von Wohlstand. Wer Butter auf dem Frühstückstisch hatte, dem ging es gut. Der gehaltvolle Brotaufstrich durfte auf keiner Stulle fehlen, ordentlich Wurst und Käse obendrauf und bon apétit! 

Margarine dagegen war verpönt. Doch diese Ansicht änderte sich bald. Pflanzliche Öle galten plötzlich als besonders gesund, vor allem mit den Vitaminen E und F. Tierische Fette büßten in der Beliebtheit deutlich ein, könnten sie doch einen erhöhten Cholesterinspiegel und Herz-Kreislauferkrankungen zur Folge haben. Heute sind sich die Wissenschaftler bei dieser Interpretation nicht mehr ganz so sicher. Sie sprechen von vielen begünstigenden Faktoren. In den 19neunziger-Jahren wurde mehr Margarine als Butter verzehrt. 

Margarine sollte noch gesünder werden

Lebensmittelchemiker entwickelten eine Vielzahl verschiedenster, vor allem streichzarter Margarinen, angereichert mit „guten“ pflanzlichen Ölen mit einem höheren Anteil ungesättigter Fettsäuren wie Rapsöl oder Olivenöl. Schließlich sollte Margarine ja noch gesünder werden. Und die Lebensmittelregale füllten sich. Für jeden Geschmack und jede persönliche Vorliebe ist etwas dabei. 


Die Gesundheitsaspekte von Lebensmitteln und vor allem die Naturbelassenheit der Produkte sind mit der Zeit immer wichtiger geworden. Genuss steht vor allem derzeit wieder im Vordergrund. So sind Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und andere Zusatzstoffe „out“. Nachgefragt werden wieder fettreichere Molkereiprodukte. In puncto Brotaufstrich erfährt die gute alte Butter Aufwind als natürliches Produkt bei den Verbrauchern. Und so gibt es öfter „Butter bei die Fische“. 

Was bleibt bei Landwirten hängen?

 
Marktexperten sehen auch langfristig gute Absatzmöglichkeiten und eine hohe Nachfrage. Zumal ebenfalls die Lebensmittelindustrie vermehrt von Palmöl, das sowohl unter gesundheitlichen als auch Umweltgesichtspunkten in die Kritik geraten ist, auf tierische Fette umstellt. In der Folge steigen die Butterpreise deutlich an. Schon wird von Butterknappheit gesprochen. Aber auch das zuvor stigmatisierte „ungesunde“ Milchfett ist so teuer wie nie. Allerdings bleibt die Frage, was von diesem Trend bei den Landwirten wirklich hängen bleibt. Milcherzeuger könnten auskömmlichere Preise erhalten und Molkereien sich Rohware sichern, eine Chance für beide Seiten. Die Verbraucher jedenfalls sind wieder auf den (Butter-)Geschmack gekommen und greifen dafür auch tiefer in die Tasche.
stats